„Wir können viel bewegen“

DHB-Teammanager Oliver Roggisch im Interview

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 11. Januar 2019

Quelle: Rhein-Neckar Löwen

Die Handball-WM läuft bereits und Deutschland startete mit einem Sieg gegen Korea. Wir haben im Vorfeld mit Teammanager Oliver Roggisch gesprochen.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft will bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und Dänemark erneut ganz vorne mitspielen. Das große Ziel ist natürlich die Wiederholung des sensationellen Titelgewinns von vor 12 Jahren. Teammanager Oliver Roggisch will im Interview aber nicht von einer „Titelpflicht“ sprechen.

vereinsleben.de: Herr Roggisch, gibt es das Wintermärchen 2.0?

Roggisch: Das hoffen wir natürlich alle. Aber wir wissen auch, dass der Weg dahin ganz weit ist. Wir sprechen momentan nicht von einem Wintermärchen. Wir wollen gerne nach Hamburg (Austragungsort der Halbfinals, d.Red.) und das ist unser großes Ziel. Wir wissen, dass wir dafür sehr viel investieren müssen. Wenn Hamburg erreicht ist, kann man sicherlich über weitere Ziele und auch das Wintermärchen sprechen. Aber das ist für uns noch sehr weit weg.

vereinsleben.de: Wie wichtig kann der Faktor „Heim-WM“ werden?

Roggisch: Das ist natürlich ein riesengroßes Thema, keine Frage. Es ist ein spezielles Turnier. Wir haben versucht, die Jungs darauf vorzubereiten. Wir hatten das Abschlusstraining in Berlin vor 2.000 Leuten. Im Training! Das gab es so im Handball auch noch nie. Das zeigt was für eine Begeisterung da ist. Die Hallen sind auch ausverkauft. Von daher ist es natürlich ein riesen Faktor und man kann sicherlich von zehn Prozent sprechen, die die Motivation da nochmal  ansteigt. Grade in schweren Phasen. Wenn die Halle kommt, ist es ein riesen Faktor.

„Jungs haben Geschichte geschrieben“

vereinsleben.de: Wie hoch ist der Druck auf die Spieler es Ihnen und der 2007er Generation gleichzutun und den WM-Titel zu holen? Viele erwarten oder erhoffen sich ja genau das.

Roggisch: Wir reden hier nicht über die 2007er Generation. Die Jungs sind fast alle schon Europameister geworden und eine Medaille bei den Olympischen Spielen geholt. Sie haben schon ihre eigene Geschichte geschrieben, weswegen wir hier nicht über die 2007er Generation sprechen. Genauso wenig haben wir damals über die 78er (Weltmeister in Dänemark, d.Red.) gesprochen haben. Das hatten wir damals auch nicht so gerne. Von daher sprechen wir nur über die aktuelle Situation. Wir sind absolut in der Gegenwart und gucken, dass wir einen guten Kader haben. Mit den Jungs ist sicherlich einiges möglich. Solche Vergleiche mit früheren Generationen hören die Jungs nicht so gerne.

vereinsleben.de: 2007 waren mit Ihnen, Hennig Fritz, Markus Baur oder auch Holger Glandorf „echte Typen“ in der Mannschaft. Wer sind heute die „echten Typen“ im Team?

Roggisch: Ich glaube, dass wir mit Uwe Gensheimer schon einen richtigen Typen haben. Und mit Andreas Wolff und Silvio Heinevetter haben wir zwei richtige Typen im Tor. Das sind, glaube ich, die, die so am ehesten dafür gemacht sind, eine Marke zu sein. Die drei haben damit auch kein Problem und sind alle auf Social Media unterwegs und das auch alles so ein bisschen pushen. Dann haben wir Leute, die sind ein bisschen ruhiger. Aber in der Breite gesehen haben wir eine sehr homogene Mannschaft. Es gehört dazu, dass jeder seine Rolle einnimmt. Man kann nicht nur Alphatiere in einer Mannschaft haben. Aber Gensheimer, Wolff und Heinevetter – ich glaube das sind die drei, die man vorneweg nennen kann. Und das gehört eben auch dazu.

Oliver Roggisch weiß wie es sich anfühlt im eigenen Land Weltmeister zu werden. 2007 feierte er sensationell den Titel und sorgte mit Deutschland für das legendäre „Wintermärchen“ (Bild: Jaques Demarthon /AFP/Getty Images)

vereinsleben.de: Sie sind ja nicht nur beim DHB tätig, sondern auch bei den Rhein-Neckar Löwen. Mit Gudjon Valur Sigurdsson hat sich schon der erste Löwen-Profi im Vorfeld der WM verletzt. Wie sehr hoffen Sie, dass Schweden, Dänemark, Spanien, Mazedonien und Serbien mit den restlichen Löwen-Spielern nicht allzu weit kommen und alle Ihre Spieler schnell wieder und vor allem gesund zurückkommen?

Roggisch: Dass sie gesund zurückkommen, ist das aller wichtigste! Aber ich gönne es jedem weit zu kommen. Natürlich hoffe ich, dass wir nicht gegen eine von den Mannschaften ausscheiden. Aber ansonsten ist es natürlich immer gut, wenn man so ein Turnier erfolgreich bestreitet und vielleicht sogar mit einer Medaille zurückkommt. Das kann dann nochmal einen richtigen ‚Kick‘ für die Rückrunde geben. Das macht vieles natürlich einfacher. Andersrum werden auch Spieler kommen, die enttäuscht sind. Darauf sind wir auch vorbereitet. Die werden wir auffangen und wieder aufbauen. Ich glaube wir haben bei den Rhein-Neckar Löwen so eine gute Atmosphäre, dass wir die Jungs schnell wieder auf den rechten Weg bringen. Ich hoffe, dass wir weit kommen, aber ich gönne es auch jedem anderen. Im Idealfall haben wir nicht nur eine, sondern mehrere Medaillen bei den Rhein-Neckar Löwen.

„Können viel bewegen“

vereinsleben.de: Was bedeutet die Handball-WM im eigenen Land für den Handball-Sport in Deutschland?

Roggisch: Das werden wir dann sehen, je nachdem wie wir abschließen. Wir können natürlich sehr viel bewegen. Ich glaube, das hat man 2007 gesehen. Die Euphorie war riesengroß. Die Kinder haben sich angemeldet, sind nicht zum Fußball sondern eben zum Handball gegangen. Die Zahlen sind in die Höhe geschnellt. Da kann man also sehr viel bewegen. Andersrum, wenn das Turnier nicht gut läuft, ist Handball natürlich auch schnell nicht mehr in aller Munde. Diese Verantwortung haben wir jetzt, aber mit der können wir gut umgehen.             Wie gesagt: Wir wollen den Handball ins rechte Licht rücken. Wir haben eine super Sportart. Eine athletische und schnelle Sportart. Ich glaube wir haben auch sehr nahbare Spieler, die immer für ein Autogramm oder ein Foto gut sind. Das ist, glaube ich, eine sehr sympathische Truppe. Wir sind uns wie gesagt bewusst, dass wir eine hohe Verantwortung haben.

vereinsleben.de: Wer wird denn nun Handball-Weltmeister 2019?

Roggisch: Ich glaube es wäre fehl am Platz, wenn ich nicht sagen würde, dass ich es der deutschen Mannschaft sehr gönnen würde. Ich weiß, dass es vier, fünf Mannschaften gibt, die das Zeug dazu haben. Deswegen ist es jetzt noch schwer zu sagen. Da kann man vielleicht in ein, zwei Wochen nochmal drüber sprechen, aber aktuell bin ich auch zufrieden, wenn wir erstmal Hamburg erreichen. Dann schauen wir mal wer der Gegner sein würde. Dieses große Ziel jetzt an die Tafel zu schreiben und zu sagen ‚Das ist unser Ziel. Alles andere wäre eine Enttäuschung‘ ist Quatsch. Wir wollen ein gutes Turnier spielen und wir hoffen, dass es reicht.  Aber wenn eine Mannschaft besser sein sollte als wir, müssen wir das akzeptieren.

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