„Darüber werde ich glücklich sein“

Mainz-Trainer Sandro Schwarz im Interview

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 18. Januar 2019

Quelle: Thomas Kienzle / AFP / Getty Images

Endlich wieder Fußball! Seit Freitag läuft die Bundesliga wieder. Wir haben uns vor dem Auftakt mit Sandro Schwarz, Trainer vom FSV Mainz 05, zum Interview getroffen.

Das lange Warten hat ein Ende. Die Fußball Bundesliga startet in ihre Rückrunde. Für den FSV Mainz 05 geht es darum, sich am besten frühzeitig den Klassenerhalt zu sichern. Die Mainzer um Trainer Sandro Schwarz stehen derzeit im unteren Mittelfeld der Tabelle.

Wir haben zum Rückrundenauftakt mit Sandro Schwarz gesprochen und mit ihm unter anderem über die Winterpause, das Trainingslager und seine persönlichen Ziele gesprochen.

 vereinsleben.de: Wie „brav“ waren ihre Spieler denn im Weihnachtsurlaub und vor allem beim Weihnachtsessen? Gab es jemanden der mit ein, zwei Kilo zu viel aus dem Urlaub zurück kam?

Schwarz: Nein, die waren total brav. Klar hatten wir bestimmte Vorgaben, was die Läufe angeht. Sie mussten vier Läuft individuell absolvieren und natürlich auf das Gewicht achten. Das wurde am ersten Trainingstag auch kontrolliert. Aber die Jungs waren total brav.

vereinsleben.de: Worauf mussten Ihre Spieler denn achten?

Schwarz: Sie wurden kontrolliert ob sie ihre Läufe gemacht haben. Wir checken das mit Pulsuhren, bei denen alles aufgezeichnet wird. Die werden am ersten Trainingstag abgegeben und entsprechend sieht man, wer die Läuft absolviert hat. Außerdem mussten sie auf ihr Gewicht achten. Am letzten Tag vor der Winterpause haben wir alle Spieler gewogen, genauso am ersten Tag nach dem Winterurlaub. So werden sie kontrolliert. In den zehn Tagen, in denen jetzt frei war, geht es zwar in die Eigenverantwortung, aber am Ende kann man die Läufe und das Gewicht ja kontrollieren.

vereinsleben.de: Und Sie sieht es bei Ihnen selbst aus?

Schwarz: Ich nicht so. Ich habe etwas zugenommen und wenig Sport gemacht. Ansonsten gehe ich in der Saison das eine oder andere Mal Laufen. In den Winterferien war ich viel mit der Familie unterwegs. Mit den Kindern war ich Rodeln, aber da habe ich leider nicht so viel abgenommen. Ein Kilo habe ich zugenommen, aber das geht noch.

vereinsleben.de: Das letzte Jahr war ihr erstes komplettes Jahr als Profi-Trainer. Wie haben Sie 2018 erlebt?

Schwarz: Es ging darum Spiele zu gewinnen – genau wie in der U23 und der U19. Aber klar, das erst Halbjahr 2018 war sehr nervenaufreibend mit dem Ziel Klassenerhalt. Dass wir es hinten raus dann noch geschafft haben, war ein tolles Erlebnis. Für uns als Verein war es schon sehr spektakulär dann noch in Dortmund den Klassenerhalt zu schaffen. Im zweiten Halbjahr haben wir sehr gute Entwicklungsschritte genommen und aus der Vorsaison die richtigen Schlüsse gezogen. Dementsprechend sind wir zufrieden wie 2018 verlaufen ist. Trotzdem haben wir das Ziel dieses Jahr stetig besser zu werden.

Seit dem 01.07.2017 ist Schwarz Chef-Trainer in Mainz. Zuvor trainierte er die U23 & U19. (Bild: Daniel Roland / AFP / Getty Images)

vereinsleben.de: Sie sind in Mainz geboren. Ist es der Druck für Sie do nochmal etwas höher den Klub aus ihrer Stadt zu trainieren?

Schwarz: Auf der einen Seite ist es etwas ganz Besonders, in der Stadt in man geboren wurde, aus der die Familie kommt, wo man viele Freunde hat und aufgewachsen ist, Trainer zu sein. Auf der anderen Seite macht man sich aber auch noch ein bisschen mehr Druck, der Stadt und den Menschen gerecht zu werden. Klar gibt es dann auch Situationen, in denen man selbst eigene, hohe Ansprüche an sich stellt. Denen dann gerecht zu werden, ist nicht immer so einfach. Aber es macht jede Menge Spaß in dieser Stadt Bundesliga-Trainer zu sein. Von daher gibt es, glaube ich, schlechtere Jobs.

vereinsleben.de: Müssen Sie sich nach Niederlagen beim Einkaufengehen denn auch mal Etwas anhören?

Schwarz: Da gehe ich nicht einkaufen! (lacht) Ich gehe nur nach gewonnenen Spielen einkaufen. Nein, klar ist es nie angenehm Spiele zu verlieren. Grade wenn man nach Hause fährt, macht man sich Gedanken, warum und was man hätte besser machen können. Man ist da total selbstkritisch. Es ist aber nie so, dass die Leute einen dann ansprechen und einem Vorwürfe machen. Letztes Jahr haben wir bei einer Fan-Veranstaltung viele Dinge besprochen, das war sehr gut. Es hält sich also alles im Rahmen.

„Früh überlegt, was ich machen könnte“

vereinsleben.de: Sie waren ja auch selbst aktiv als Spieler. Bevorzugen Sie den Trainerjob oder wären sie lieber wieder Spieler?

Schwarz: Trainer, definitiv! (lacht) Man muss weniger laufen, speziell in der Sommer- oder Wintervorbereitung. Als Spieler habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, wie ich es als Trainer gemacht hätte und mich oft in die Rolle des Trainers herein versetzt. Ich habe mir schon relativ früh Gedanken gemacht, was ich nach meiner Karriere machen könnte und da war schnell klar, dass ich Trainer werden möchte. Aber natürlich wusste ich damals noch nicht, dass es sogar ein Job in der Bundesliga wird.

vereinsleben.de: Das Trainingslager fand im spanischen Marbella statt. Gab es spezielle Punkte, die trainiert wurden?

Schwarz: Wir hatten zwei Schwerpunkte. Zum einen das Offensivspiel mit dem Spiel in die Spitze, Tiefenspiel und Vorwärtsspiel. Dort wollen wir Zug zum Tor entwickeln und die nächsten Schritte gehen. In der Defensive war es das Kettenverhalten, also Quer- und Rückpässe zu verteidigen.

Hatten definitiv Spaß beim Interview: Sandro Schwarz mit RPR1.-Moderatorin Selina Schmitt. (Bild: vereinsleben.de)

vereinsleben.de: Haben die Spieler Ihre Vorstellungen umgesetzt?

Schwarz: Es waren sehr gute Dinge dabei! Speziell was die Trainingseinheiten betrifft. In den drei Testspielen hatten wir gute Phasen, speziell bis zur 2:0-Führung, danach war es ein Tick weniger. Aber wir haben die Inhalte in den Trainingseinheiten und Testspielen sehr gut umgesetzt und wollen das in der Rückrunde genauso umsetzen.

vereinsleben.de: Zur aktuellen Situation: Sie haben einen relativ komfortablen Vorsprung auf die Relegationsplätze. Geht der Blick da eher nach oben oder unten?

Schwarz: Der geht tatsächlich nur zum nächsten Spiel. Es ist keine Floskel. Auch wenn es sich bescheuert anhört, es ist wirklich so. Wir beschäftigen uns gar nicht damit, einen Vorsprung zu haben oder wo es hinführen könnte, wenn wir eine Rechnung aufmachen, in X Spielen X Punkte zu holen. Der Fokus liegt ganz klar darin, Inhalte und Prinzipien zu verinnerlichen, in der Art und Weise wie wir Fußball spielen wollen. Das oberste Ziel ist es – je nachdem wann wie spielen – am Samstag oder Sonntag dieses Spiel zu gewinnen. Dementsprechend legen wir unseren Fokus ganz klar auf die Inhalte. Auch auf unser Miteinander, wie wir in der Gruppe harmonieren. Das muss man am Samstag sehen. Das Ziel sind dann immer wieder drei Punkte. Klar schaut man nach dem Spiel auch kurz auf die Tabelle und denkt sich, ‚Was haben wir nach dem Spiel erreicht?‘. Aber es ist nie so, dass wir irgendwas verteidigen wollen oder gucken, wo man in drei, vier Wochen sein könnte. Wir wollen ganz klar im Hier und Jetzt die Dinge so veranstalten, wie wir uns das vorstellen und die Dinge vorantreiben.

vereinsleben.de: Können die Spiel gegen Stuttgart, Nürnberg und Augsburg trotzdem schon richtungsweisende Spiele sein? Alle drei Teams stehen in der Tabelle hinter Ihnen …

Schwarz: Nein, es sind keine richtungsweisende Spiele. Wir haben letztes Jahr in einer schwierigen Situation die Erfahrung gemacht, einzelne Spiele nicht als Finalspiel zu sehen. Wir haben nichts dramatisiert und gesagt ‚Ok, wenn wir das gewinnen, haben wir eine Richtung schon eingeschlagen‘. Wir haben jedes Spiel Schritt für Schritt so gestaltet und vorbereitet, dass es am Ende das Ziel war, drei Punkte zu holen. Klar sind die anstehenden Spiele wichtig. Trotz allem wird es immer wieder schwierig sein, für uns als Mainz 05, Bundesliga zu gewinnen. Egal wie der Gegner heißt. Trotz allem sind wir in der Lage, in diesen Spielen die bestmögliche Punktzahl zu holen.

„Prinzipien sind entscheidend“

vereinsleben.de: Wie sieht denn ihr taktisches Konzept für die anstehenden Partien aus?

Schwarz: Wir haben natürlich sowohl im Offensiv- als auch im Defensivspiel Prinzipien, die wir unabhängig von der Grundordnung, jede Woche sehen wollen. Egal ob es ein Heim- oder Auswärtsspiel ist. Danach werden wir uns richten. Das wollen wir auch in den kommenden Spielen auf den Platz bekommen. Wie die Grundordnung aussieht, werden wir noch sehen. Aber auch dort haben wir über die ganze Saison schon sehr flexibel agiert. Zuletzt haben wir ja mit einem 4-4-2 mit Raute gespielt, davor hatten wir aber auch schon 4-2-3-1, 4-4-2, oder auch 4-3-3. Von daher ist die Grundordnung nicht immer das Entscheidende, sondern die Prinzipien.

Mit Mainz 05 will Schwarz von Spiel zu Spiel schauen. Am Ende sollen aber immer drei Punkte her. (Bild: Thomas Kienzle / AFP / Getty Images)

vereinsleben.de: Auf dem Transfermarkt war es um Mainz 05 bisher sehr ruhig. Es gab weder Zu- noch Abgänge. Wird sich da noch etwas tun bis zum 31. Januar?

Schwarz: Zugänge kann ich mir nicht vorstellen. Wir sehen, dass die Gruppe sehr gut miteinander funktioniert. Auch was die Leistung in der Hinrunde betrifft. Es ist eine Bestätigung dafür, dass wir im Sommer die richtigen Schlüsse in der Kaderplanung gezogen haben. Abgänge müssen wir schauen, ob es den einen oder anderen unzufriedenen Spieler gibt. Es gibt ja ein, zwei Kandidaten die den Verein eventuell noch wechseln wollen. Aber da müssen wir erst schauen, wie sich das die nächsten Tage entwickelt.

vereinsleben.de: Gibt es denn ein bestimmtes Highlight für Sie in der Rückrunde?

Schwarz: Ein spezielles Spiel gibt es für mich nicht als Highlight. Ich freue mich einfach darüber, jeden Tag mit den Jungs zusammen zu sein. Es macht einfach großen Spaß, ins Auto einzusteigen, Richtung Bruchwegstadion zu fahren und zu wissen, dass man wieder mit seinen Jungs zusammen ist und die Jungs gut miteinander umgehen. Egal ob in der Kabine oder dem Trainingsplatz. Dann freuen wir uns auch miteinander Wettkampfspiele zu bestreiten und die Erlebnisse in der OPEL Arena, im Heimspiel wo es um drei Punkte geht, zu haben. Die besten Highlights sind immer wieder die Momente in denen du alles investierst hast. Beim Abpfiff wenn du weißt, wir haben uns komplett verausgabt, alles rausgefeuert als Mannschaft. Die Jungs auf der Bank haben mitgefiebert, die Fans auf der Tribüne haben mitgefiebert. Wenn dann abgepfiffen wird und wir drei Punkte haben, ist das jede Woche immer wieder ein Highlight. Dieses Gefühl zu haben, sonntags in die Kabine zu kommen und zu wissen, es ist eine gute Stimmung und Atmosphäre. Das macht Spaß. Das ist das worüber wir uns auch im Trainerteam definieren. Genau so mit diesen Jungs zusammen zu arbeiten. Im Miteinander. Im Füreinander da sein. Das sind unsere Highlights.

vereinsleben.de: Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Am 18. Mai gegen 17.30 Uhr werde ich …

Schwarz: … Werde ich glücklich sein! Weil ich weiß, dass wir ein Jahr hinter uns haben, wo wir uns als Mannschaft, als Verein, komplett verausgabt haben. Wo ich dann auch glücklich darüber bin, welche Ruhe wir im Verein, nach dem schwierigen letzten Jahr mit Umbruch, mittlerweile haben. Darüber werde ich sehr glücklich sein!

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