Vatikan bricht Frauenfußballspiel ab

Debüt fällt wegen Feminismus-Protest aus

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Montag, 24. Juni 2019

Quelle: picture alliance/APA/picturedesk.com

Es sollte das erste internationale Fußballspiel des neuen Vatikan-Frauenteams werden, letztlich brach der Vatikan die Partie aber kurzfristig ab. Und das, weil Spielerinnen des Gegners FC Mariahilf während der Vatikan-Hymne gegen die Haltung der Kirche zu Abtreibung und Homosexualität protestierten.

Anfang 2019 gründete der Vatikan eine Frauenmannschaft, die am Wochenende ihr internationales Debüt feiern sollte. Weil aber vor Beginn des Freundschaftsspiels gegen den FC Mariahilf aus Wien drei österreichische Spielerinnen ihre Trikots angehoben und Botschaften auf Bauch und Rücken enthüllt hatten, wurde die Partie gar nicht erst angepfiffen. Unter anderem war "Mein Körper, meine Regeln" zu lesen und auf den Bäuchen war ein Uterus aufgemalt. Die Verantwortlichen der Vatikan-Mannschaft reagierten daraufhin sofort und die Spielerinnen mussten zurück in die Kabine.

"Das Spiel wurde abgebrochen, weil wir wegen des Sports hier sind und nicht wegen politischer oder anderer Botschaften", sagte Danilo Zennaro, Vertreter des vatikanischen Sportverbandes, im österreichischen Sender ORF. Die Spielerinnen des FC Mariahilf zeigten für den Abbruch wenig Verständnis. Und auch die Spielerinnen des Vatikan waren wohl bereit zu spielen: "Die Spielerinnen wollten gegen uns spielen. Doch es wurde hier über ihre Köpfe hinweg entschieden", so Torhüterin Anna Ressmann, die außerdem ergänzt: "Wenn so ein leiser Protest zum Abbruch aller Beziehungen führt, dann ist das auch ein Statement. Aber kein Statement von uns."

Das Spiel war zur Feier des 20-jährigen Bestehens des FC Mariahilf angesetzt worden. Der Verein äußerte sich später bei Facebook: 

"Trotz ambivalenter Haltungen innerhalb des Vereins zum Vatikan, haben wir uns für das Match ausgesprochen, weil Fußball keine Grenzen kennt. Es ging einerseits um die sportliche Herausforderung, andererseits um die enge freundschaftliche und bestärkende Zusammenarbeit innerhalb des Vereins während der Vorbereitungen eines so großen Ereignisses. Der Gründung eines Frauenteams im Vatikan stehen wir positiv gegenüber, sogleich dies erst ein kleines Zeichen zur Gleichstellung ist.
Nach einer Feldmesse am Vormittag begrüßten wir freundlich unsere Gäste. Als die Hymnen ertönten, hoben drei unserer Spieler*innen ihr Trikot und zeigten auf den Bauch aufgemalte „Pro-Choice“ Botschaften. Sie wollten dadurch das Recht der Frauen auf Schwangerschaftsabbruch hervorheben.
Die Aktion der drei Spieler*innen wurde selbständig organisiert und durchgeführt. Der Verein hat diese Aktion nicht mitgeplant. Wir haben von Vereinsseite danach alles versucht, um das Spiel dennoch auszutragen. Die drei Spielerinnen haben das Spielfeld verlassen, weiters wurde verlangt, dass Zuschauer*innen mitgebrachte Transparente, die sich gegen Homophobie aussprechen, abnehmen. Leider konnten wir die Verantwortlichen des Vatikans zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht mehr überreden, zu spielen.
Für uns ist jetzt wichtig, dass wir uns als Verein in Ruhe zusammensetzen und alle Meinungen zu Wort kommen lassen. Wir wissen, dass die Aktion unterschiedliche Meinungen hervorgerufen hat – sowohl im Verein als auch in der Öffentlichkeit. Wir wissen auch, dass dieser stumme Protest provozieren sollte und auf die Einstellung der Kirche zum Thema reproduktive Selbstbestimmung und LGBTIQ-Rechte hinweisen sollte.
Als Verein sind uns Toleranz, Vielfalt der Lebensformen und ein friedliches Miteinander wichtig, worauf wir auch mit Regenbogensymboliken hingewiesen haben. Wir verstehen daher die Forderungen und die Botschaft unserer Spieler*innen, jedoch finden wir den Zeitpunkt der Durchführung unpassend und können daher die Aufregung nachvollziehen."

Zennaro verteidigte die Entscheidung zum Nichtantreten als alternativlos: "Wären wir angetreten und wären anschließend die Fotos der drei Spielerinnen in den sozialen Medien aufgetaucht, müssten wir damit rechnen, dass unser Frauen-Team aufgelöst wird." 

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