Gib niemals auf!

Egal wie aussichtslos die Lage auch erscheint

Veröffentlicht am Freitag, 10. Juli 2015
Quelle: Screenshot YouTube

vereinsleben.de: Wie sind Sie zum Sport gekommen?

Heike Henkel: Angefangen hat es mit Kinderturnen. Da geht man natürlich in den Verein der in der Nähe war. Das war nur eine Straße hoch und zu Fuß erreichbar. Heute wird man ja meistens von den Eltern gefahren, das war damals aber noch nicht. Es musste also möglichst nah sein. Das war mein erster Verein. Dann war ich immer recht gut und auch im Schulsport immer positiv aufgefallen. Es gab da einen Lehrer, der sehr engagiert war und für „Jugend trainiert für Olympia“ eine Mannschaft zusammenstellte. Er wollte natürlich auch dass wir trainieren und hat uns dann in einen Verein geschickt, in dem sein Bruder Trainer war. Ich habe also im Grunde nicht wirklich danach gesucht, sondern wurde hin geschickt. Weil es dann diesen engagierten Lehrer gab, bin ich dann in einem Verein gelandet, der etwas weiter weg war und nur mit dem Bus zu erreichen war. Das war der Start damals in Kiel, bzw. in Kronshagen. Ein ganz kleiner Verein.

 

vereinsleben.de: Wie ging es dann weiter?

Heike Henkel: Im Grunde bin ich, bis ich Kiel verlassen habe, in diesem Verein geblieben. Es gab immer wieder Zusammenschlüsse, weil oft das Geld knapp oder die Mannschaft zu klein war und man versprach sich dadurch mehr Möglichkeiten, auch finanziell gesehen. Das klappte leider aber nicht immer. Als ich mich dann für den professionellen Sport entschieden habe, musste ich Kiel verlassen. Ich bin dann ins Rheinland, zu Bayer Leverkusen, einem Großverein mit allen Möglichkeiten für den Hochleistungssport, gekommen.

 

vereinsleben.de: Was ist für Sie das Besondere an einem Sportverein?

Heike Henkel: Ich finde es total wichtig, dass Kinder in einen Verein gehen. Man sieht Gleichaltrige oder auch Ältere, die dann als Vorbilder dienen. Man kann sich austoben. Es gibt natürlich aber auch Regeln an die man sich halten muss. Ich sage immer es gibt kein besseres Umfeld wo man sozialisiert wird als Kind als im Sportverein. Es ist einfach alles vorhanden. Man kann mit Etwas mit Freude machen, hat aber einen Trainer an der Seite der sich auskennt im Sport und hat gleichaltrige Kinder mit denen man Spaß haben kann. Das hört ja auch nicht am Sportplatz oder an der Halle auf, sondern geht ja oft auch danach noch weiter. Man macht gemeinsame Trainingsfahrten oder man grillt zusammen. Das gehört ja alles dazu. Es ist also nicht nur auf den Sport beschränkt, so wie es dann vielleicht später im Hochleistungsbereich ist. Wir reden ja vom Breitensport, da geht es um alles. Es geht um Freundschaften. Für mich war es total wichtig, eine Gruppe zu haben in der ich mich wohlgefühlt habe. Und die habe ich im Verein gefunden.

 

Quelle: ARTZT

 

vereinsleben.de: Sind Vereine heutzutage noch wichtiger, auch im Hinblick auf die Sozialisation?

Heike Henkel: Ich glaube Vereine werden immer wichtiger. Es gibt so viele Möglichkeiten, aber die beschränken sich meistens nur auf kleine Bildschirme oder Smartphones. Das ist einfach zu wenig. Ich finde man muss mit Menschen in Kontakt kommen. Auch Kinder, die sehr schüchtern sind, öffnen sich oft in Vereinen. Wenn sie mal eine Zeit lang da gewesen sind und sich wohlfühlen dann entwickeln sie sich weiter, entwickeln ihre Persönlichkeit – das kann man zuhause am Computer nicht. Ich glaube der Verein wird immer wichtiger.

 

vereinsleben.de: Wo liegen denn die Probleme von Vereinen?

Heike Henkel: Den Vereinen fehlen die finanziellen Mittel. Ich komme ja aus der Leichtathletik, da sind dann fünf Athleten in einer Gruppe und die brauchen natürlich eine ganze Halle. Das ist schon die erste Schwierigkeit sich dann da durchzusetzten. Und wenn man die nicht bekommt, verliert man auch wieder Mitglieder. Es ist also wieder so ein bisschen ein Kampf um Hallenzeiten oder auch die Rasenfläche benutzen zu dürfen. Ein anderes Problem sehe ich dem Engagement von Trainern oder Unterstützern, die dann ehrenamtlich eine Gruppe leiten ohne etwas dafür zu bekommen. Es wird immer schwieriger heutzutage die Zeit zu investieren um sich um so etwas zu kümmern. Es gibt zwar noch genügend Ehrenamtliche, die dazu bereit wären, aber ich finde man müsste die noch etwas mehr unterstützen. Es wäre natürlich toll, wenn ein Verein die Möglichkeit hätte, denen auch ein bisschen mehr zu bieten als nur ein „Taschengeld“

 

vereinsleben.de: Haben Vereine ein Imageproblem da sie sich im Web 2.0 nicht so darstellen können wie kommerzielle Anbieter?

Heike Henkel: Es gibt natürlich viele Sportarten oder auch die sogenannten „Fun-Sportarten“ die oft privat organisiert werden oder eben kommerziell. Dadurch geraten Vereine natürlich ein bisschen in Vergessenheit und eben auch dadurch, dass sie sich nicht darstellen und in der Öffentlichkeit präsent sind. Es ist ja meistens so, dass Eltern nach einem Verein gucken und sich dann den Verein in der Nähe oder den, der ihnen am besten gefällt, suchen. Aber eigentlich müssten Vereine auch zu den Eltern kommen und sich präsentieren. Ich glaube, dass man lange nicht alle Verein findet im Internet. Die wenigsten kümmern sich ja auch um eine Website. Das Internet wird immer wichtiger.

 

vereinsleben.de: Wie wichtig wäre ein Plattform für die Vereine und Sportinteressierte?

Heike Henkel: Wenn es eine Plattform gibt, die Sport und Vereine mit Eltern und Jugendlichen und Kindern zusammen bringt, finde ich das sehr wichtig. Es geht schneller etwas zu finden, man findet auch den kleinen Verein von nebenan. Wenn man im Internet guckt, möchte ich den Verein finden, der mir zusagt, der die Angebote hat, die ich möchte und am besten auch noch nicht so weit weg ist. Da kann sich dann jeder Verein präsentieren und hat die Möglichkeit wahrgenommen zu werden. Das ist ja wichtig. Der Rest kommt dann von selbst denk ich. Die Anmeldungen werden dann natürlich zunehmen je aktiver man ist. Aber im Grunde muss man nicht mal so aktiv sein. Man stellt die Adresse, die Trainingszeiten und noch die Kontaktdaten rein und schon weiß man, wo man hin gehen muss. Das langt ja meistens schon.

 

vereinsleben.de: Wie würden Sie nach einem Verein suchen?

Heike Henkel: Ich suche dann natürlich über das Internet. Ich gebe die Sportart und den Ort ein und hoffe etwas zu finden. Aber leider ist das immer sehr spartanisch. Und meistens sind es nur die Großvereine, die dann zu weit weg sind, da die noch eine Internetseite haben. Aber die kleinen Vereine findet man natürlich nicht. Man findet schon eine Menge, aber Vereins sind noch etwas schwierig im Internet zu finden.

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