Titelcheck unserer Handballer

Was für und gegen den EM-Sieg spricht

Veröffentlicht am Mittwoch, 27. April 2016
Quelle: wikipedia / Steindy

Bei der Handball-Europameisterschaft trifft das deutsche Team in der Vorrunde auf Spanien, Schweden und Slowenien und damit auf zwei Titelanwärter. Zu denen gehört die deutsche Auswahl schon seit eininger Zeit nicht mehr. Und trotzdem: Wir können den Titel holen!

 

Das spricht für den Titel:

 

+ Ein erfahrener Bundestrainer

Mit dem aktuellen Bundestrainer Dagur Sigurdsson (42) ging es für die  deutsche Nationalmannschaft sportlich wieder bergauf. Nachdem man  zuvor unter Martin Heuberger gleich drei wichtige Turnierqualifikationen nacheinander verpasste. Zudem verfügt der Isländer über sehr viel Erfahrung für sein Alter und gilt als einer der besten Trainer im Welthandball. Auch seine Spieler wissen seine Fähigkeiten zu schätzen und seine Anweisungen auf dem Feld umzusetzen. Die ganze Mannschaft steht voll hinter ihrem Coach, der laut Kapitän Steffen Weinhold „ einer der fünf besten der Welt“ ist.     

 

+ Gute Torhüter

Auch für die Endrunde in Polen steht dem DHB-Team mit Andreas Wolff und Carsten Lichtlein wieder ein herausragendes Torhüter-Duo zur Verfügung. Das war auch schon in der Vergangenheit der Fall mit Spielern wie Henning Fritz, Johannes Bitter oder Silvio Heinevetter. Während Carsten Lichtlein seine Erfahrung aus über 200 Länderspielen und eine überragende 7-Meter Bilanz vorweißen kann, punktet Andreas Wolff mit der besten Quote abgewehrter Bälle in der Bundesliga. Ein sich so gut ergänzendes Duo könnte zu einem echten Rückhalt während des Turniers  werden.  

 

+ Fans im Rücken

Dass die Spiele des deutschen Teams 2016 wieder bei ARD und ZDF zu sehen sind könnte bei guten Leistungen des Teams wieder für eine echte Welle der Handball-Euphorie in Deutschland sorgen und das DHB-Team zusätzlich pushen. Zudem findet das Turnier im Nachbarland Polen statt und lockt so womöglich auch einige deutsche Fans zum anfeuern in die Hallen.

 

+ Außenseiterrolle

Die DHB-Auswahl gehört nicht zur Weltspitze im Handball und zählt daher auch in Polen nicht zu den Topfavoriten. Da mit Uwe Gensheimer auch noch der international bekannteste deutsche Spieler ausfällt, könnten die Konkurrenten dies als so starke Schwächung empfinden und die DHB-Auswahl wünschenswerter Weiße bewusst oder unbewusst auf die leichtere Schulter nehmen.  

 

+ Variablere Spielsysteme

Wenn es jemand versteht das Fehlen von Top-Spielern wie Gensheimer & Co. in etwas Positives umzumünzen dann Trainerfuchs Sigurdsson. Schnelle Spieler für das Tempogegenstoßkonzept, Verteilung der Abwehrlast, da man gleich zwei verschiedene Abwehrkonzepte verinnerlicht hat sowie  sichere Werfer im Angriff.  All das sind Faktoren die den Isländer trotz prominenter Ausfälle an die Konkurrenzfähigkeit seines Teams glauben lassen.  

 

Und das spricht gegen den Titel:

- Ausgeglichenes Turnier

Dadurch, dass die Leistungsdichte innerhalb Europas im Handball relativ groß ist, gilt mehr denn je: Jeder kann jeden schlagen. Schon in der Vorrunde geht es gegen starke Teams wie Spanien oder Schweden. Spiele in denen die deutsche Mannschaft schon alles aufwenden muss und ab der ersten Minute Präsenz zeigen sollte. Zudem kosten die Spiele gegen solche Teams jede Menge Kraft die dann in der K.O.-Phase fehlen könnte.

 

- Mangelnde Erfahrung

Ein großes Manko ist die mangelnde Erfahrung des deutschen Teams.  Keiner der Spieler im EM-Kader hat bisher als Leistungsträger in einem großen Spiel mitgewirkt. Acht Spieler aus dem DHB-Kader haben noch nie ein internationales Turnier mit der A-Nationalmannschaft bestritten. Daher wird es interessant sein ob die jungen Spieler in den Entscheiden Drucksituationen die nötige Nervenstärke aufbringen. Denn die anderen Nationen sind reichlich bestückt mit national und international erfolgreichen Spielern, die wissen wie man sich in Drucksituationen verhält. 

 

- Kein Top-Star im Kader

Die Tatsache dass in der deutschen Auswahl kein Top-Star zu finden ist hat zwar einerseits Vorteile, da das Spiel und das Spielsystem nicht auf einen großen Spieler ausgelegt sind. Doch gerade den vielen jungen und unerfahrenen  Spielern im deutschen EM-Kader fehlt so eine Identifikationsfigur. Ein Spieler an dem man sich orientieren kann, der vorangeht und der Spiele und Spielsituationen alleine entscheiden kann.  

 

- Personalprobleme

Trainer Sigurdsson plagen vor der Europameisterschaft große Personalsorgen. Mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki  muss der Bundestrainer auf zwei der besten Flügelspieler im Welthandball verletzungsbedingt verzichten. Mit Paul Drux, Matthias Musche und Michael Allendorf fehlen drei weitere wichtige Spieler in der DHB-Auswahl. Diese Ausfälle sind schwer zu kompensieren gerade wenn es darum geht den Spitzenmannschaften Paroli zu bieten.  

 

- Zu starke Konkurrenz

Die Konkurrenz welcher sich Deutschland in Polen erwehren muss ist unglaublich groß und hat jede Menge Erfolge aus den letzten Jahren vor zu weißen. Allen voran das Team Frankreichs. Als amtierender Welt- und Europameister sowie Olympiasieger geht die Equipe Tricolore in die 12. Handball-Europameisterschaft. Zudem haben sie den Welthandballer Nicola Karabatic im Team. Die Polen, die ebenfalls über viele individuelle Spitzenspieler verfügen, können auf ihre frenetische Anhängerschaft vor heimischer Kulisse zählen. Und Dänemark hat einen Kader, der auf nahezu jeder Position doppelt gut besetzt ist. 

 

Das erste Spiel der Deutschen gegen Spanien seht ihr am Samstag um 18.30 Uhr im ZDF. Am Montag geht es um 20.30 Uhr gegen Schweden weiter. Das letzte Gruppenspiel findet dann am Mittwoch um 17.15 Uhr gegen Slowenien statt.

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