Südafrika meets Bundesliga

Veröffentlicht am Mittwoch, 27. April 2016
Quelle: vereinsleben.de

vereinsleben.de: Moritz, du bist zur Zeit in Deutschland um Erfahrung auf höchstem Niveau zu sammeln – bei welchen Vereinen und Mannschaften hospitierst du?

Ich bin den gesamten Februar in Deutschland. Ich war bzw bin bei vier verschiedenen Vereinen und so auch vier verschiedenen Leistungstufen. In Berlin war ich bei Hertha 03 Zehlendorf, wo ich bei der ersten Herren-Manschaft (Oberliga NOFV) einen Einblick bekam. In der zweiten Woche war ich in Wolfsburg beim VFL, wo ich bei der E-Jugend mitwirken durfte. Diese Woche bin ich beim 1. FC Köln und hospitiere bei der U17, nächste Woche folgt dann als Abschluss der FC Schalke 04 und die U16. 

 

vereinsleben.de: Was ist der Unterschied zwischen den Jugendmannschaften/ -ligen in Deutschland und Südafrika?

Die größten Unterschiede liegen im Umfeld. In Sachen Infrastruktur ist Deutschland Südafrika Lichtjahre voraus, das ist aber glaube ich auch keine neue Erkenntnis. Auf dem Platz gibt es natürlich auch Unterschiede: In Deutschland werden taktische Dinge im Training deutlich mehr forciert und von den Spielern auch präziser umgesetzt. Das Spiel ist auch deutlich körperbetonter und schneller als in Südafrika. Mit schneller meine ich vor allem die Zeit zwischen Ballannahme und Pass, die ist hier bedeutend geringer als in Südafrika. Außerdem würde ich sagen, dass in Deutschland deutlich mehr auf einen ordentlichen Spielaufbau geachtet wird als in Südafrika, wo auch das "kick n rush" gerne mal ausgepackt wird.

 

vereinsleben.de: Gibt es auch Unterschiede zwischen den verschiedenen deutschen Vereinen?

Ich glaube jeder Verein hat seine eigene „Kultur“, Geschichte und Möglichkeiten. Deswegen sind natürlich Unterschiede vorhanden: Der 1. FC Köln hat natürlich ganz andere Voraussetzungen als beispielsweise Hertha 03 aber das ist ja auch nicht verwunderlich. Manche Vereine haben auf die Taktik und Spielidee bezogen klare einheitliche Vorgaben, was sich durch den ganzen Verein wie ein roter Faden zieht. Andere arbeiten da deutlich freier bzw. ohne Vorgaben. Beides hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Infrakstrukturell haben alle exellente Voraussetzungen, aber während in Köln zum Beispiel alles sehr zentralisiert bzw familiär angelegt ist, arbeitet Wolfsburg an drei bis vier verschiedenen Standorten in der Stadt. Was insgesamt einheitlich ist, ist das mit absoluter Aufopferung gerabeitet wird um die Spieler weiter zu entwickeln. Außerdem wurde ich überall absolut offen und herzlich empfangen, wofür ich sehr dankbar bin.

Bildquelle: Moritz Kossmann

 

vereinsleben.de: Was kannst du von der Arbeit der Bundesligavereine lernen?

Ich habe vor allem im Bereich Mentalität und Mannschaftsführung einiges dazu gelernt. Natürlich gibt es immer Übungen die man sich abguckt bzw. interessant findet. Allerdings glaube ich das es wichtig ist, da nicht einfach eins zu eins zu kopieren sondern immer seinen eigenen Umständen anzupassen und gegebenenfalls leicht abzuändern. Inspiration ist es auf jeden Fall, vor allem wenn man Fussballverrückt ist. Was toll ist, ist auch das drumherum im deutschen Fussball, wo der Sport von Millionen gelebt wird.

 

vereinsleben.de: Wie kann dein Projekt, die Young Bafana Soccer Academy von deinem Gelernten profitieren?

Zum Einen natürlich direkt auf dem Trainingsplatz. Ich hoffe, dass ich mich als Trainer in der Zeit in Deutschland weiterentwickeln und somit meinen Spielern in Südafrika mehr bieten kann.  An zweiter Stelle steht der Kontakt, der durch meinen Besuch zu den Vereinen hergestellt wurde. Außerdem ist Young Bafana jetzt bei mehr Menschen in Deutschland bekannt. Ich hoffe, ich habe da einen guten Einruck hinterlassen und das Projekt kann sich auch mit Hilfe aus Deutschland weiterentwickeln.

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