Eine Frage der Zeit

Warum also die Aufregung?

Veröffentlicht am Mittwoch, 27. April 2016
Quelle: Alison Young / Shutterstock.com

Ein Kommentar von Dominik Seel

Nun ist es wohl auch im Tennis soweit! Die dunkle Seite hat sich endlich gezeigt! Das einst blütenweiße und reine Tennisshirt ist mit tiefschwarzen Flecken besudelt! Die ganze Welt horcht erneut auf, erschreckt sich vor den Ausmaßen des Skandals!

Aber warum eigentlich? Hat die Menschheit denn aus den Geschichten rund um den dickbäuchigen, nicht satt zu bekommenden  ehemaligen Schweizer FIFA-Funktionär oder dem Freifahrtsschein für gedopte russische Leichtathleten wirklich nichts gelernt? Wer jetzt immernoch glaubt, dass es in der großen, professionellen Sportwelt mit rechten Mitteln zugeht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Wo es um viel Geld geht, da fließt auch viel Geld!

 

Die Gier nach mehr

Für 16 der aktuell 50 besten Tennisspieler der Welt haben die üppigen Sieges- und Antrittsprämien wohl nicht gereicht. Sogar ein Grand-Slam-Sieger soll dabei sein. Alle wollten sich mit absichtlichem Verlieren ihr Einkommen aufstocken. Gut, bewiesen ist zwar noch nichts, aber wirklich Zweifel daran haben kann man nicht. Zu stark sind die Indizien, die die BBC und BuzzFeed veröffentlich haben. Zu belastend sind die Eindrücke die man, dank Granden wie dem aktuellen Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic oder dem ehemaligen Weltklasse-Spieler Andre Agassi, in den letzten Jahren erhalten hat. In seiner Biografie „Open“ gesteht der US-Ehemann von Steffie Graf, im Jahr 1997 die leistungssteigernde Droge Crystal Meth konsumiert zu haben. Nun gut, mag manch einer jetzt vielleicht denken, jeder macht mal Fehler. Doch das Erschreckende ist nicht die Tatsache, dass selbst Saubermänner, wie die heutige Tennis-Legende Agassi zu jener Zeit zweifelslos einer war, zu verbotenen Substanzen gegriffen haben. Nein, das Erschreckende daran ist, dass er aufgeflogen ist und trotz positiver Dopingprobe ohne Strafe davongekommen ist. Becker-Schützling Djokovic berichtete unlängst von einem „Angebot“, welches sein Team im Jahr 2007 erhalten habe. Ein „Angebot“ sich noch etwas dazu zu verdienen zu können. Er müsse dazu lediglich ein Spiel bei einem Turnier in St. Petersburg herschenken. Freilich, ein Mann wie der Serbe hat natürlich abgelehnt. Schließlich ist er ja mehrfacher Grand-Slam-Sieger. Doch zählt sein Erfolg überhaupt noch etwas? Zählen die Erfolge aller Protagonisten in solch einer von Korruption geprägten Zeit überhaupt noch etwas?

 

Jeder ist sich selbst der Nächste

Und was macht die ATP dagegen? Sie versucht irgendwie ihre Haut zu retten. Sie flüchtet sich in Aussagen, dass man Beweise brauche um gegen einen Spieler vorzugehen. Auf Grundlage von Gerüchten und Vermutungen könne man keine Ermittlungen aufnehmen, so der Vorsitzende Chris Kermode am Eröffnungstag der Australien Open. Aber dass die ATP auch mal beide Augen zudrückt ist ja schließlich auch bekannt. Oder wie will man sich sonst die Ignoranz gegenüber Agassis positivem Dopingtest erklären? Auch beim Russen Nikolai Dawidenko gab es handfeste Hinweise auf einen Eingriff in das regelkonforme und sinngemäße Spiel. Es gab sogar Ermittlungen. Doch diese, Überraschung Überraschung, wurden relativ zügig ohne Ergebnis eingestellt.

 

Alles nur eine Frage der Zeit

Doch was bleibt der Sportwelt nach diesem erneuten Skandal? Zum einen sicherlich ein noch größeres Misstrauen der Fans und Zuschauer. Wieso sollte man sich auch noch etwas angucken, von dem man sowieso weiß, dass es sehr gut sein könnte, dass das Ergebnis bereits vor dem Anpfiff feststeht? Zum Anderen bleibt aber auch die Erkenntnis, dass keine Sportart vor einem versuchten und teils auch erfolgreichen externen Eingreifen in Organisation oder Spielverlauf sicher ist. Sicher ist nur eins: Dass es auch in Zukunft Skandale geben wird. Die einzige Frage ist nur in welcher Sportart und wann der nächste aufgedeckt wird. Denn wo es um viel Geld geht, da fließt auch viel Geld!

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