Der neue Modus

Eine Zweiklassen-EM?

Veröffentlicht am Donnerstag, 23. Juni 2016
Quelle: pixabay/stux/CC0 Public Domain

Ein Kommentar von Florian Wessendorf

Das neueste heiß diskutierte Thema ist der neue Modus dieser Europameisterschaft. Normalerweise nahmen immer 16 Mannschaften an den letzten EM-Endrunden teil. Sie spielten in 4 Gruppen und die besten zwei jeder Gruppe zogen ins Viertelfinale ein. Zu dieser Endrunde wurde die Teilnehmerzahl auf 24 aufgestockt. Folglich musste der Modus geändert werden. Die UEFA entschied sich für 6 Gruppen. Außerdem sollte es ein Achtelfinale geben, für das sich die jeweils beiden besten Teams der Gruppe  und die vier besten Gruppendritten qualifizieren.

Der neue Modus hatte natürlich viele Folgen. Während bei den früheren Turnieren das Ausscheiden der meisten Teams am letzten Vorrundenspieltag fest stand, war es dieses Jahr lediglich die Ukraine, die keine Chance hatte ins Achtelfinale einzuziehen.

Auf der einen Seite schien es so als ob die meisten Mannschaften mit wenig Risiko zu Werke gingen, was natürlich daran liegen könnte, dass eben auch der Drittplatzierte einer Gruppe realistische Chancen auf das Weiterkommen hatte. Andererseits brachte es den Zuschauern tolle kleine Finalspiele am letzten Vorrundenspieltag. In den Gruppen A, D und F spielten die Teams direkt, gegeneinander bei denen klar war, dass der Verlierer die Heimreise antreten kann. Nach dem Motto „Totgeglaubte leben länger“ schafften es unter anderem Albanien und die Türkei noch auf den dritten Platz ihrer Gruppe und hatten große Hoffnung. Im Endeffekt reichte es nicht für beide Teams, da ihnen ihr Torverhältnis einen Strich durch die Rechnung machte. Dennoch ist davon auszugehen, dass alle Fans dieser beiden Mannschaften, die zugegeben im Voraus wenig zu lachen hatten, noch einmal beherzt jubeln konnten. Klar ist aber auch, dass diese Rechenspiele, wer denn nun weiterkommt, sehr nervig waren.

 

In früheren Turnieren war es noch kein Vorteil in Gruppe F anstelle von Gruppe A zu spielen. Doch diesmal hatten die Mannschaften die am Schluss zum Zug kamen einen großen Vorteil. Während Albanien vorgelegt hatte und mit einem Torverhältnis von 1:3 und 3 Punkten Gruppendritter wurde, konnten alle Mannschaften die im Anschluss spielten, genau abwägen,wie hoch sie jetzt gewinnen mussten. Die Spieler der albanischen Mannschaft mussten also 3 Tage lang vor dem Fernseher verbringen um endlich Gewissheit zu haben, wo ihr Weg hinführt. Im Endeffekt 3 Tage vergeudete Zeit, da sie letztendlich doch abreisen mussten. Gerade nach einer kräftezehrenden Saison, wo der Urlaub vorerst noch einem Turnier weichen muss, kann das eigentlich nicht der Sinn der Sache sein.

Was jedoch eine Bewerbung für den neuen Modus war, waren die zuvor angesprochenen Finalspiele am letzten Tag. Im direkten Aufeinandertreffen lieferten sich Tschechien und die Türkei, sowie Island und Österreich einen ungemein spannenden und umkämpften Schlagabtausch. Das waren wirklich sehenswerte Spiele. Auch die Iren witterten ihre Chance, schmissen das komplette Spiel nach vorne und wurden kurz vor Schluss belohnt. Die Türken flogen durch diesen Treffer aus dem Turnier.

Ein anderer positiver Aspekt des größeren Teilnehmerfeldes ist, dass sich Teams die sich in den Playoffs auf den letzten Drücker für das Turnier qualifizierten und normalerweise gar nicht dabei gewesen wären, teilweise toll präsentierten. Ungarn ist hierbei als tolles Beispiel zu nennen, da sie als totaler Underdog ihre Gruppe gewannen und teilweise sehr erfrischenden Fußball spielten.

Ein anderes ärgerliches Thema, war die Ungewissheit, wer denn überhaupt auf wen trifft. Teilweise hatten die Gruppenersten, die Gruppendritten aus 3 Gruppen als möglichen Gegner. Andere Gruppenerste trafen auf Gruppenzweite. Ob das so fair ist, ist natürlich auch eine Frage.

In den sozialen Netzwerken wird viel über den Turnierbaum diskutiert. Auf der linken Seite stehen außer Belgien und Kroatien, keine Favoriten. Selbst diese beiden Mannschaften waren eher Geheimtipps vor dem Turnier, da sie schon bei den letzten Turnieren den Erwartungen ihrer Fans und den Einschätzungen der Experten nicht gerecht wurden. Auf der anderen Seite stehen Teams wie Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und England. Das bedeutet, dass sich die ganzen Titelfavoriten bis zum Finale gegenseitig rauskatapultieren werden. Den Shitstorm im Social Network kann ich hierbei nicht nachvollziehen. Den neuen Modus trifft nämlich absolut keine Schuld. Hätten England und Spanien nicht kläglich versagt am letzten Gruppenspieltag, wären sie nämlich anstelle von Kroatien und Wales auf dem 1.Platz ihrer Gruppen gewesen.  

Alles in allem sehe ich viel Positives, aber auch viel Negatives in dem neuen EM-Modus, deshalb bietet er wirklich viel Spielraum für Diskussionen und es ist nicht auszuschließen, dass bis zur EM 2020 andere Ideen für einen neuen Modus präsentiert werden.

Weitere Neuigkeiten

BVB-Fans mit grandioser Aktion

2-Tore-Führung verspielt und auf der Heimfahrt bleibt der BVB-Mannschaftsbus auch noch im Stau stehen. Heraneilende Fans sorgen dann sogar bei den Pro...

Weiterlesen

Kuriose Szene in der MLS

Jozy Altidore wird nach einem Treffer mit einem Bier-Becher abgeworfen. Und Teamkollege Sebastian Giovinco hat genau die passende Antwort!

Weiterlesen

Hymnenprotest geht in neue Runde

Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und den NFL-Spielern geht weiter. Trump forderte die Rücknahme von Steuervorteilen, übersah dabei allerd...

Weiterlesen

Mainzer Kaul ist „Juniorsportler des Jahres“

Große Ehre für Zehnkämpfer Niklas Kaul vom USC Mainz. Der 19-Jährige wurde am Samstag in Köln von der Deutschen Sporthilfe ausgezeichnet.

Weiterlesen

TV-Kommentator haut während Live-Spiel ab

Bei einer Fussball-Drittliga-Partie in Russland war der Fernseh-Kommentator so sauer, auf den Schiedsrichter, dass er während das Spiel noch lief, ein...

Weiterlesen

NFL-Star mit ergreifender Geste

Jason Pierre-Paul hat während der Partie seiner New York Giants gegen Denver ein gutes Spiel gemacht. Wie besonders eine bestimmte Szene war, wird abe...

Weiterlesen