Kein Platz mehr für den FCK in der schönen neuen Fußballwelt?

Kommentar von RPR1.-Moderator Jens Baumgart

Sportnews > Meine Meinung Veröffentlicht am Montag, 30. April 2018
Jens Baumgart

Quelle: Privat

Der Abstieg des 1. FC Kaiserslautern trifft die komplette Pfalz zutiefst. Ist für den so traditionsreichen Klub einfach kein Platz mehr im Profisport? Ein Kommentar von RPR1.-Moderator und FCK-Anhänger Jens Baumgart.

Freitag Abend, 20.21 Uhr: Die „Roten Teufel“ lassen die Köpfe hängen, Tränen fließen. Der Verein muss zum ersten Mal in die dritte Liga. Ein Fan schreit verzweifelt: „Der FCK gehört in die ERSTE Liga!“ Gehört? Was soll das heißen?

Die Schuld bei der aktuellen Truppe oder den jetzt Verantwortlichen zu suchen, wäre zu simpel. In den vergangenen 20 Jahren sind viele Fehler gemacht worden. Zu viele. Strukturell und personell. Vieles ist hausgemacht. Und man hat am Betzenberg gerne den Ernst der Lage unterschätzt: Es wird schon irgendwie gut gehen. Mit Kampfgeist und der Tradition im Rücken. 

Tradition? Im Moment eher eine Worthülse. Der alte Fritz, der den Laden früher zusammengeschweißt hatte, lebt schon lange nicht mehr. Atze Friedrich und Stefan Kuntz sind gefühlt eine Ewigkeit weg. Und auch da war nicht alles Gold was glänzt. Viele andere winken ab, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Keine Identifikationsfiguren, keine Kontinuität. Wer ist dieser FCK ? Eine durchaus berechtigte Frage, wenn man sich „Tradition“ auf die Fahnen schreibt.

Am Ende lag es wohl vor allem am lieben Geld. Mini-Etat folgte auf Mini-Etat – irgendwann musste es schiefgehen. 

Ich frage mich: Kann eine 100.000-Einwohner-Stadt, umringt von viel Wald, heute überhaupt noch dauerhaft oben mitkicken? Ein Blick in die Bundesligageschichte zeigt: Auch vor 40 Jahren waren es vor allem die Großstädte, die die Liga dominierten: München, Berlin, Stuttgart. Viele Zuschauer, viel Geld – das geht eben nur in der Metropole. FAST nur: Das "kleine" Lautern blieb lange Jahre am Ball, dank vereinseigenem Stadion und sensationeller Fanbase.

Aber der Fußball hat sich verändert: Heute sind es freilich immer noch die Großstädte, die den Ton angeben. Aber nicht mehr nur wegen der Zuschauer, sondern weil in den Ballungsräumen die Sponsoren sitzen, die Geldgeber. Banken, Autokonzerne, Versicherungen. Es ist kein Zufall, dass keine Mannschaft aus dem Osten erste Liga spielt. Neben fehlenden Strukturen ist es vor allem das Geld. Ausnahme Leipzig, künstlich aufgepäppelt mit zig Millionen – kann man gut finden, muss man aber nicht.

Unfaire neue Fußball-Welt? Ja, vielleicht.... ein bisschen. Aber, wie gesagt, das ist nur ein Grund für den Lauterer Absturz. Man braucht eben Geld, Geschick und Glück. 

Vielleicht sollten die FCK-Fans grade deswegen an einem so bitteren Wochenende stolz sein. Auf all das, was ihr Club erreicht hat. Ohne Lautern kein „Wunder von Bern“. Und kein „Wunder von 1998“, als der Aufsteiger aus der Pfalz direkt Meister wurde. Bis heute einmalig. 70 Jahre lang hat eine 100.000-Einwohnerstadt den deutschen Fußball geprägt wie nur wenige andere. Das soll erstmal jemand nachmachen!

Ich hoffe, dass diese Geschichte weitergeschrieben wird. Mit neuen Identifikationsfiguren und einem soliden finanziellen Konzept, das neue Sponsoren anlockt. Insofern kann ein Neuanfang auch eine Chance sein. 

Und bei aller Kritik, bei aller Enttäuschung, eine fundamentale Säule kann dem FCK niemand nehmen: Seine sensationellen Fans, die die Mannschaft hoffentlich auch in der dritten Liga unterstützen. Kopf hoch!

Artikel Teilen

Mehr zum Thema

Das könnte Dich auch interessieren

WM-Song „Live it up“ veröffentlicht

Kurz vor dem Start der WM hat die FIFA den offiziellen WM-Song „Live it up“ von Will Smith, Nicky Jam und Esra Istrefi veröffentlich.

Trump ehrt Johnson posthum

US-Präsident Donald Trump ehrte posthum den ersten schwarzen Box-Weltmeister Jack Johnson, dessen Erfolg 1908 aufgrund seiner Hautfarbe nie anerkannt...

Lotto-MEGAKICKER-Turnier

Der Tischkicker ist ein Klassiker – aber das MEGAKICKER-Turnier von Lotto Rheinland-Pfalz verspricht noch mehr Spaß. Jetzt können sich Mannschaften um...