Sport für unser Gehirn

Wichtiger als man denkt

Veröffentlicht am Montag, 13. Juni 2016
Quelle: shutterstock.com

Wir haben uns mit dem Hirnforscher und Leiter der Psychiatrie der Uniklinik Ulm Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer unterhalten. Er studierte in Freiburg Medizin, Psychologie und Philosophie und widmet sich seither den Neurowissenschaften. In einem Vortrag zum Thema „Bildung im Sport“ im Otto-Schott-Gymnasium in Mainz bekamen wir einen Einblick in die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Sport und was er mit unserem Gehirn macht.

 

Sport gegen die grauen Zellen

In zahlreichen Büchern hat der Wissenschaftler bereits seine Thesen und Ergebnisse beschrieben: Bewegung wirkt sich positiv auf die Persönlichkeitsbildung und die Gehirngesundheit aus. Spitzer erklärte uns im Anschluss an seinen Vortrag: „Wir wissen heute, dass Sport eben nicht nur für Herz, Kreislauf und Muskulatur gut ist, sondern auch tatsächlich fürs Gehirn. Es wachsen Nervenzellen nach bei sportlicher Betätigung, auch beim Erwachsenen und allein das zeigt schon, wie wichtig Sport für das gesunde Altern ist.“ 1999 kam der wissenschaftliche Beleg dafür: In einer Studie mit Mäusen wurde bewiesen, dass die Nervenzellen (Neurone) durch Ausdauertraining wachsen und immer neue Verbindungen im Gehirn schaffen. Das konnte man auch auf den Menschen übertragen und es zeigte sich, dass bei Ausdauertraining mehr als 1400 neue Zellen entstehen. Zehn Jahre später fand man heraus, dass diese neu verknüpften Neurone vor allem dafür benutzt werden, um geistig anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen. „Sport macht uns aufmerksamer, trainiert unser Durchhaltevermögen und unseren Willen und insgesamt gibt es kaum etwas Wichtigeres als Bewegung.“ Es empfiehlt sich daher, als Erwachsener entweder täglich 30-45min. sportlich aktiv zu sein oder mindestens 3-5x die Woche. Dabei muss man sich nicht verausgaben, denn es ist wichtig, sich danach wohl zu fühlen.

 

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer legt mit Witz und Ernst die Fakten auf den Tisch (Bilder: vereinsleben.de)

 

Sport in unserer Gesellschaft

Die 450 Zuhörerinnen und Zuhörer wurden vorab auch von der Landessportbund-Vizepräsidentin Petra Regelin begrüßt, die die Wichtigkeit des Sports betonte. Zwar seien schon über 1,5 Mio. Menschen in Rheinland-Pfalz aktiv, doch der Sport müsse eine größere Rolle in unserer Gesellschaft einnehmen und ein fester Bestandteil des Alltags von jedem Bürger werden. Vor allem in Verbindung mit Bildung. In diesem Punkt stimmte auch der Experte zu, der uns erklärte, dass das Gehirn nie auslerne. Der Mensch sei zum Lernen gemacht! Im Gegensatz zu Computer-Festplatten habe das Gehirn unendliche Kapazitäten, da sich die Nervenzellen immer wieder neu verbinden, je nachdem, was neu getan und erlernt wird. Und wenn das, was wir tun, uns auch noch Spaß macht – bestes Beispiel: Sport – hat das einen langfristigen positiven Effekt!

 

Der Verein als Schule fürs Leben

Vereine bieten uns nicht nur die Möglichkeit, Sport zu machen. Das erläuterte Prof. Spitzer so: „Gerade weil Zuhause heutzutage nicht mehr alles an Erziehung geleistet werden kann, kommt den Vereinen eine ganz wichtige Rolle zu, gerade beim Sport. Der Verein strukturiert viele soziale Bindungen, es wird nicht einfach nur abgehangen, sondern es wird gemeinsam etwas getan. Man lernt ja, einander mal auszuhelfen oder zu verlieren. Man lernt sehr viel über den Sport hinaus, vor allem an sozialen Fähigkeiten.“ Der Mannschaftssport ist hierbei eine gute Option, bei der man als Kind früh lernt, wie man sich in einer Gruppe verhält. Der Verein bietet immer neue Herausforderungen, egal ob in sportlicher oder sozialer Hinsicht, an denen die Mitglieder wachsen.

 

Nach dem Vortrag konnte man dem Experten noch Fragen stellen.

 

Lernbooster und Auszeit fürs Gehirn

Jeder kennt es: Man sitzt an einer Hausarbeit oder Aufgabe und kommt einfach nicht weiter. Der Hirnforscher gab uns einen Tipp: „Wenn ich Sport gemacht habe und mich hinterher sehr wohl fühle, kann ich besser lernen und bin auch kreativer. Gerade dann, wenn ich z.B. eine Aufgabe angehe, und noch nicht weiß ‚Wie bringe ich das auf den Punkt?‘ Das kann ich gut, wenn ich vorher Sport gemacht habe.“ Auch er selbst verriet uns, dass er bei Schreibblockaden am liebsten joggen geht oder im Winter Skilanglauf macht. Wenn man dann auch noch in der Natur Sport macht, ist das Auszeit und Ansporn zugleich, „weil das Gehirn frei wird und die Gedanken dann wieder fließen und dadurch ganz viele neue kreative Ideen kommen.“ Genauso ist Sport eine gute Stresstherapie: „Stress ist eine Notfallreaktion des Körpers, die für einen höheren Blutdruck und für mehr Glucose (Zucker) im Blut sorgt. Wenn ich mich diesem Stress aussetze und setze mich hin, vor den Fernseher beispielsweise, dann fühle ich mich hinterher nicht besser.“ Wer muss sich jetzt an die eigene Nase packen? Der Experte riet, wie man es richtig macht: Das Beste was ich tun kann, ist, die angespannten Muskeln verwenden, den Zucker und die überschüssigen Fette verbrennen und dann fühle ich mich im Nachhinein tatsächlich wieder gut.“

 

Diese Veranstaltung wurde von unseren Partnern dem Landessportbund Rheinland-Pfalz und den Sportbünden Rheinland, Pfalz und Rheinhessen initiiert. Als wichtiger Sponsor unterstützte auch Lotto Rheinland-Pfalz dieses Event.

 

Sport mit Verantwortung wird präsentiert von Lotto Rheinland-Pfalz, dem Partner des Sports

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