Transferwahnsinn in England

Warum die Vereine mit Geld nur so um sich werfen

Veröffentlicht am Freitag, 18. Dezember 2015
Quelle: Twitter / Telandbenjie

Die englische Premier League ist zweifelsohne eine der stärksten Fußball-Ligen der Welt. Große Vereine wie Manchester City, der FC Chelsea und Manchester United dominieren auf dem Platz.

Doch auch neben dem Platz führt derzeit kein Weg an den englischen Spitzenteams vorbei. Kevin de Bruyne wechselt für ca. 80 Millionen Euro von Wolfsburg zu Manchester City, Heung-Min Son für 30 Millionen von Leverkusen zu Tottenham, Roberto Firminho ist Liverpool sogar 41 Millionen Euro wert – und das sind nur ein paar Beispiele für den aktuellen Kaufrausch der Engländer.

 

Kam für 62,5 Millionen Euro von Liverpool zu Man City: Raheem Steerling (Bild: Twitter / Premier Leauge)

 

TV-Vertrag sei Dank

Durch den neuen TV-Vertrag, der von 2016 bis 2019 gilt, bekommen die 20 Teams aus der ersten Liga sage und schreibe 6,9 Millarden Euro! Zum Vergleich: Die Bundesliga bekommt aktuell „lediglich“ 2,5 Millarden Euro. Und um es noch deutlicher zu machen: Der englische Verein Queens Park Rangers, Tabellen-Letzer der Vorsaison, bekam 86,8 Millionen Euro und damit 36,2 Millionen Euro mehr (!) als der FC Bayern München in Deutschland. „Ob ich überrascht bin? Natürlich, denn die gute, alte Premier League hat sich hier ziemlich ordentlich geschlagen“, verkündete Richard Scudamor, Chef der Premier League während der Bekanntgabe des Sensationsdeals. Eine klare Aussage. Experten rechneten eigentlich damit, dass die neuen Rechte für ca. 4,4 Millarden über den Ladentisch gehen würden. Nun sind es also 6,9 Millarden Euro. Absoluter Rekord!

 

Wettbieten in England

Doch woran liegt es eigentlich, dass in England so viel mehr gezahlt wird? Bei den Verhandlugnen, wer die Übertragunsrechte ab 2016 erhält, stritten sich zwei große Unternehmen um die Rechte. Zum einen Sky und zum anderen der TV-Gigant British Telecommunications Sport. Dieses Wettbieten hat die Preise dementsprechend in die Höhe schießen lassen. Am Ende bekamen sogar beide Bieter den Zuschlag. Sky darf nun pro Saison 126 Partien im TV zeigen, BT Sport 42 Spiele im Internet übertragen. Macht summa summarum 13,45 Millionen Euro pro Partie.

Aber auch die Gesamtsituation ist auf der Insel eine andere. Der Pay-TV-Markt ist in England wesentlich größer als in Deutschland. Und mehr Abbonenten heißt automatisch mehr Empfänger für Werbekunden und mehr Empfänger für Werbekunden heißt automatisch wiederum mehr Geld für die Pay-TV-Anbieter. Weiterhin spielt natürlich auch der Status der Premier League eine wichtige Rolle. Die englische Fußball-Liga begann schon früh damit, auch im Ausland auf sich aufmerksam zu machen. Sich so ein sehr hohes Standing aufzubauen.

 

Die Premier League ist auch in Asien und den USA so beliebt wie keine andere Liga (Bild: Twitter / Premier League)

 

Bundesliga hinkt hinterher

Die Wichtigkeit dieses Schritts erkannte vor allem die deutsche Bundesliga viel zu spät. Erst seit den letzten drei, vier Jahren konzentrieren sich die Teams nicht mehr nur auf den heimischen Markt, sondern schauen über den Tellerrand hinaus nach China oder in die USA.

Im Frühjahr 2016 verhandelt die DFL einen neuen TV-Vertrag für die Bundesliga. Dabei hofft man vor allem auf einen zweiten Anbieter, der sich mit Sky ein ähnliches Rennen um die Übertragungsrechte liefert. Das wirklich ein zweiter Anbieter einsteigt darf allerdings ebenso bezweifelt werden wie die Hoffnung, dass dieses Wettbieten ähnliche Züge annimmt wie in England. Zwar gilt als sicher, dass für die Bundesliga erneut ein Rekord-Deal vermeldet wird, Beträge wie in England werden jedoch wohl nicht erreicht.

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