Randsportart Basketball

Warum Basketball im Fernsehen immer noch untergeht

Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2015
Quelle: Didi Mühlen

vereinsleben.de: Die Basketball-EM im September wird zu Teilen live von ARD und ZDF übertragen. Generell wird Basketball aber eher selten im frei-empfangbaren übertragen. Haben die Menschen einfach kein Interesse an dem Sport?

Tholey: Der Fokus liegt im Allgemeinen ja mittlerweile – egal ob bei der Sportschau, bei anderen Sportformaten, bei den privaten oder Dritten Programmen – immer auf Fußball. Speziell die Randsportarten wie Basketball, Handball oder auch zum Beispiel Volleyball haben sich zwar weiterentwickelt, haben aber trotzdem noch nicht die Reichweite wie Fußball. Ich glaube weniger, dass es an den Leuten liegt. Eher vielleicht an den Programm-Verantwortlichen, da Fußball eben immer noch die größte Strahlkraft hat und dementsprechend auch der Fokus darauf liegt. Das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern.

 

vereinsleben.de: Warum werden meistens nur die Groß-Ereignisse übertragen?

Tholey: Prinzipiell geht es beim Fernsehen ja um Quoten. Auf dem Sender „Sport1“, der Basketball noch ab und zu überträgt, war es so, dass die Quoten eher schlecht waren. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben durch den Programmauftrag dafür zu sorgen, dass es eine große Vielfalt im TV gibt. Von daher denke ich, dass natürlich eher Großereignisse gezeigt werden als normale Spiele. In der Vorbereitung auf die anstehende EM wurden zwar ein, zwei Testspiele live im TV gezeigt, die meisten aber dennoch nur per Livestream übertragen.

 

vereinsleben.de: Welche Rolle spielen große Stars wie Dirk Nowitzki? Es kommt einem ja fast so vor, als würden die Menschen Basketball nur dann wahrnehmen wenn ein Superstar beteiligt ist?

 

Er soll uns während der EM zum Sieg werfen - Dirk Nowitzki (Bild: Twitter / FIBA)

 

Tholey: Die Superstars spielen eine große Rolle. Grade Dirk Nowitzki hat den Basketball in speziell in Deutschland extrem nach vorne gepusht. Das hat man auch dieses Jahr gemerkt. Er hat eine riesen Anziehungskraft. Beim Testspiel gegen Frankreich in Köln, war die Halle komplett ausverkauft. Und die meisten der knapp 19.500 kamen wahrscheinlich nur um Nowitzki spielen zu sehen. Solche Superstars haben einfach eine hohe Strahlkraft. Wir haben mit Nowitzki, Dennis Schröder und Tibor Pleiß im Moment drei Spieler in der NBA. Dazu noch einige Talente die es in absehbarer Zeit schaffen können. Das ist dann natürlich nochmal etwas ganz anderes und hilft dem Sport Basketball weiter zu kommen. Parallel dazu hat es sich die deutsche BBL zum Ziel gesetzt bis 2020 die beste und attraktivste Liga in Europa zu werden. Und das ist genau das Thema. Wir haben das Problem, dass bisher wenn überhaupt nur die NBA-Stars in der Öffentlichkeit stehen und die Leute dann auch in die Hallen ziehen. „Richtige Stars“ wie in der NBA gibt es in der BBL natürlich nicht. Da ist eigentlich nur der FC Bayern München der immer wieder polarisiert. Das ist immer das was dem deutschen Basketball so ein bisschen fehlt. Es wurde teilweise auch schon gesagt, dass Basketball abseits des Sports mehr oder weniger langweilig ist, da es einfach alles Vorzeigeprofis sind und wenig passiert. Damit stehen sie natürlich auch nicht jeden Tag in der Bild-Zeitung. Aber das gehört leider mittlerweile dazu, dass auch abseits des Sports etwas passiert. Und das fehlt dem Basketball in Deutschland noch.

 

vereinsleben.de: Wie kann man die Menschen für den Basketball-Sport begeistern?

Tholey: Man muss, wie es auch schon einige Verein tun, zu einem Event machen. Das geht schon los mit einfachen Dingen, wie zum Beispiel Cheerleadern. Man sollte sich dabei an den Spielen in der NBA orientieren und versuchen das „ganze drum herum“ zu adaptieren. In den USA ist das Ganze ein riesen Spektakel. Aber ich glaube die BBL ist auf einem guten Weg und bietet mittlerweile auch schon einiges zu sehen. Eins zu eins kopieren kann man das allerdings nicht. Basketball in den USA hat eine ganz anderen Stellenwert. Die Leute wachsen dort damit auf, genau wie wir, hier in Deutschland, mit Fußball aufwachsen. Beim Fußball haben die Leute einfach einen direkten Berührungspunkt, da es so viele Vereine in der Umgebung gibt.

 

Sie sorgen in der NBA für gute Stimmung und volle Hallen (Bild: Aspen Photo / Shutterstock)

 

vereinsleben.de: Was können die Vereine, nicht nur in der BBL, sondern auch die „kleinen“ regionalen Vereine dafür tun?

Tholey: Die Frage kann man so pauschal gar nicht beantworten. Der erste Schritt ist es immer, die Leute dazu zu bekommen, sich überhaupt mal mit Basketball zu beschäftigen und anzuschauen. So können die Leute auch mal sehen wie es in der Realität aussieht. Man wartet eben nicht 90 Minuten auf ein Tor, sondern es geht die ganze Zeit hin und her. Viele Leute, die ich bisher überreden konnte mal ein Spiel live in der Halle zu schauen, waren immer wieder positiv überrascht. Ich glaube vor allem der Erstkontakt, also die Leute wirklich zum ersten Mal in die Hallen zu bekommen, dass ist die große Herausforderung.

 

vereinsleben.de: Zum Schluss noch eine Frage: Wie schneidet das deutsche Team bei der EM ab?

Tholey: Wir haben ja leider große Verletzungsprobleme und können nicht in Topbesetzung antreten. Sonst hätte ich uns durchaus mehr zugetraut. Aber so kommt es natürlich ein bisschen auf Dirk Nowitzki und Dennis Schröder an. Ich hoffe, dass wir uns für die Olympischen Spiel qualifizieren und glaube auch, dass wir das schaffen können. Wenn wir Vollgas geben und vor allem die Siege gegen die vermeintlich schwächeren Teams einfahren wäre das super.

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