Nächster Tour-Skandal

Wenn selbst Fahrräder dopen

Veröffentlicht am Dienstag, 17. Mai 2016
Quelle: Shutterstock.com

Oh je, wo soll das bloß noch hin führen? Dass zahlreiche Radsportler dopen und nicht „sauber“ sind, ist ja weiß Gott nichts mehr Neues. Doch nun bekommt der Doping-Skandal rund um den Radsport ganz neue Dimensionen. Wieder einmal im Fokus: Die Tour de France!

Jean-Pierre Verdy, bis letztes Jahr Direktor des Kontrollbereichs der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD war, bestätigte am Freitag gegenüber dem Magazin „Tour“ Berichte des französischen TV-Senders „France 2“ wonach bei der Tour de France 2015 rund ein Dutzend Fahrer mit Elektromotor unterwegs gewesen sein sollen!

 

„Konnten nichts tun“

Auf die Frage, ob der TV-Sender mit seinen Aussagen übertrieben hätte, antwortete Verdy: „Nein, ganz im Gegenteil. Sie haben nur das Minimum gesagt. Das Problem ist noch viel größer. Ich habe mich nur gewundert, warum es jetzt auf einmal weltweit so große Wellen schlägt. Motordoping gibt es seit Jahren - es ist immer stärker geworden."

Laut seinen Aussagen war die letztjährige Tour im Bezug auf „Motor-Doping“ die Schlimmste von allen gewesen. "Es herrschte totale Alarmstimmung vor dem Start. Viele Team-Manager haben mit mir gesprochen, dass man endlich etwas tun muss". Beweise dafür habe er aber keine: "Ich habe die manipulierten Räder nicht selbst gesehen, weil ich mir nie Räder anschaue", so der frühere AFLD-Direktor. "Die Polizei kann auch nichts machen und die UCI habe ich informiert, aber die hat sich darauf konzentriert, die Räder zu wiegen. Wir standen da und konnten nichts tun"

 

Probleme nicht nur bei der Tour

Wie so oft ist das Problem Doping im Radsport nicht nur ein Problem der Tour de France. Auch in kleineren Eintages- und Etappenrennen soll es zu ähnlichen Vorfällen gekommen sein.               Unter anderem beim Eintagesrennen Strade Bianchi und beim Etappenrennen Coppi e Bartali sollen mit Hilfe von Wärmebildkameras auffällig hohe Temperaturen an sieben Rädern festgestellt worden sein – das berichten zumindest die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ und der französische Sender „France 2“.

Einer der sich mit Doping bestens auskennt, der lebenslang wegen Doping gesperrte italienische Arzt Michele Ferrari, hatte zuletzt sogar behauptet, dass elektrische Hilfsmotoren seit 2005 bei Rennen im Einsatz seien.

Der Radsport-Weltverband UCI versucht solche Vergehen übrigens mit Magnetresonanz-Untersuchungen per Tablet zu unterbinden – „äußerst effizient“ laut UCI.

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