Wenn 100% nicht genug ist

Veröffentlicht am Freitag, 20. Mai 2016
Quelle: shutterstock.com

Ein strengeres Gesetz

Der Renn-Rollstuhlsprinter Marc Schuh, Mitglied des DBS-Athletenrates, wirkte bei der Gesetzesfindung mit und erklärte bei einer Talkrunde, ausgerichtet vom Team Rio Metropolregion Rhein-Necker in Zusammenarbeit mit der Zahnarztpraxis Dr. Rossa & Partner, dass Doping nun nicht mehr nur eine sportinterne Angelegenheit sei, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringe. Das heißt, ein positiv getesteter Sportler wird nicht mehr „nur“ gesperrt. Es handelt sich hierbei um Freiheitsstrafen von bis zu 3 Jahren, sollte ein Sportler Dopingmittel benutzen, besitzen oder erwerben. Das alles soll der Unterstützung des „sauberen“ Sports dienen und Hintermänner und ganze Netzwerke aufspüren.

 

Der Alltag eines "sauberen" Leistungssportlers

Lisa Ryzih und Ralf Arnold berichteten in dieser Diskussion, ausgerichtet vom MRN, von den unangekündigten Doping-Kontrollen, denen sie sich mehrmals unterziehen müssen. "Sie können zwischen 06.00 und 23.00 Uhr vor der Tür stehen und wenn es dann morgens um 06.30 Uhr an der Tür klingelt, weiß ich schon genau wer das ist", so die Stabhochspringerin. Außerdem müssen die Leistungssportler immer angeben, wo sie sich befinden. Ryzih und Arnold bemängelten hierbei den Zeitaufwand und den Stress für solche Tests, weil Sportler oft einen strengen Trainingsplan haben. "Man kann eben nicht immer gerade die Pinkelprobe abgeben, wenn der Doping-Kontrolleur vor der Türe steht. Da hab ich dann erstmal eine Stunde lang 2l Wasser in mich reingekippt.", so der Marathonläufer mit Humor.

 

Marc Schuh erläuterte die Ziele und Lücken des neuen Anti-Doping Gesetzes. (Quelle: vereinsleben.de)
 

Der Sinn dahinter

Aber genau diese Vorgehensweise schütze die „sauberen Sportler", verteidigte Schuh mit der Begründung: „Ankündigungen öffnen Tür und Tor für Betrug.“ Doch leider kommt es oft zum Versäumnis der Tests aufgrund von anderen Terminen. Sportrechtsexperte und Rechtsanwalt Dr. Michael Lehner sieht dementsprechend die „missed tests“ als größtes Manko, da man bei 3 dieser Versäumnisse eine 2-jährige Sperre kassiert.

 

Der Druck steigt

Der Sportrechtsexperte sieht vor allem einen Hauptgrund für das Doping: Der sich ständig erhöhende Leistungsdruck durch die Erhöhung der Normen. „Der Sport tut sich damit keinen Gefallen“, folgert er. Unrecht hat er nicht. Wir müssen uns selbst fragen, ob es uns beim Sport nur um das „immer schneller, höher und weiter“ geht oder ob die Teilnahme an einem Wettkampf schon reicht?

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