Wie die V-Form des Fußes zerstört wird

Gesundheitsspecial des Sportbund Rheinland war ein voller Erfolg

Verbandsnews > Sportbund Rheinland Veröffentlicht am Sonntag, 31. März 2019

Quelle: picture alliance/imageBROKER

Es war ein Abend der Extreme: Wie nähere ich mich einem Körperteil, der für ein menschliches Leben tragend ist? Der Fuß mit seinen 26 Knochen, 33 Gelenken, 100 Bändern, diversen Muskeln und Sehnen als Thema des Specials Gesundheitssport des Sportbundes Rheinland lockte rund 300 Zuhörer in die Fachhochschule Koblenz.

Eine Resonanz, hinter der sich viele Erwartungen verbragen. Und die Referenten des Abends, Dr. med. Wolfram Wenz, auch bekannt durch die Fernseh-Dokuserie „Die Knochen-Docs“ sowie Barfuß-Trainer Emanuel Bohlander lieferten eine Fülle von  Einsichten und Erkenntnisse, die durchaus geeignet sind, Sichtweisen auf unseren Lebensstil ins Wanken zu bringen.

„75 Prozent aller Operationen am Fuß hängen direkt oder indirekt mit dem falschen Schuhwerk zusammen“, sagte Wenz, der seinen Zuhörern Einblicke in die Anatomie des Fußes verschaffte, Ursachen für entsprechende Krankheiten erklärte und vor allem Bewegungsbilder vor und nach einer Operation präsentierte. Erste Alarmzeichen sind nach Wenz Schwielen und Druckstellen am Fuß, ausgelöst durch falsche Druckverteilung und zu große Belastungen. Frühzeitig erkannt, können komplizierte und langwierige Behandlungen vermieden werden.

Eine Absage erteilte Wenz in diesem Zusammenhang Schuheinlagen, ein probates Mittel vieler Orthopäden, um Fehlstellungen zu korrigieren und Schmerzen zu lindern. „Ein guter Fuß braucht keine Einlage, einem schlechten Fuß wird eine Einlage nicht helfen.“ Kritisch setzte sich der Mediziner auch mit dem Einsatz von Prothesen des oberen Sprunggelenkes auseinander. Die Festigkeit einer solchen Prothese ließe schnell nach, nachfolgende Eingriffe seien programmiert. Die herkömmliche OP-Methode - eine Versteifung des Gelenks - garantiere eine nachhaltige Korrektur der Fehlstellung und somit Schmerzfreiheit. Wenz entkräftete den Mythos, wonach nach einer Versteifung kein Sport mehr möglich sei und untermauerte dies mit zahlreichen Bewegungsbildern.

Herbe Rückschläge musste auch Emanuel Bohlander auf seinem Weg zum Barfußläufer einstecken. Zu viel Ehrgeiz und noch unausgereiftes Wissen attestierte sich der begeisterte Jogger, sammelte fortan theoretische Erkenntnisse, die er praktisch erprobte und derzeit in der „Barefoot Academy Düsseldorf“ als Trainer vermittelt.

„70 Prozent der Statik des menschlichen Körpers wird vom Fuß aus gesteuert“, sagte Bohlander und verweist auf unsere Vorfahren. „Wir waren Jäger und Sammler und haben unsere Wege zu Fuß und ohne Schuhwerk zurückgelegt.“ Aber wie sahen die Füße unserer Vorfahren aus? Einen unverfälschten Blick darauf in der Gegenwart bieten, so Bohlander, die Füße eines Neugeborenen – in der Form eines V.

Bohlander macht ebenso wie Wenz hauptsächlich unser Schuhwerk dafür verantwortlich, dass Füße im Laufe des Lebens schlapp machen. „Eine breite Schuhform, in der die Zehen genügend Platz haben, widerspricht unserem Schönheitsideal“, sagte Bohlander. „Breite Füße werden als primitiv angesehen.“

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