„Bin ein optimistischer Mensch“

FCK-Trainer Hildmann im Interview

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 25. Januar 2019

Quelle: vereinsleben.de

Kurz vor dem Start der 3. Liga hat uns Kaiserslautern-Trainer Sascha Hildmann verraten, wie er den Rückstand auf die Aufstiegsplätze verringern will und wie er mit den Nebengeräuschen umgeht.

Der 1. FC Kaiserslautern ist einer der traditionsreichsten Vereine in der dritten Liga. Doch die glorreichen Zeiten wie etwa die Sensationsmeisterschaft im Jahr 1998 liegen schon lange zurück. Zuletzt machten Berichte um heftige Diskussionen im Aufsichtsrat die Runde, auch finanziell muss sich einiges tun.

Sportlich geht es für die Roten Teufel darum, nach dem Abstieg in Liga 3 im letzten Jahr, in der aktuellen Saison wieder den Anschluss an die Spitze zu finden. Nach einer durchwachsenen Serie in 2018 trennte man sich Anfang Dezember von Trainer Michael Frontzeck. Als Nachfolger wurde der ehemalige Lautern-Profi und Ex-Trainer von Liga-Konkurrent Sonnenhof-Großaspach Sascha Hildmann verpflichtet. Der 46-Jährige soll den FCK nun wieder in die Erfolgsspur bringen.

Unser Redakteur Dominik Seel und RPR1.-Moderatorin Selina Schmitt haben ihn kurz nach dem Wintertrainingslager zum Interview getroffen. Hier verrät er, wie er doch noch an den oberen Tabellenplätzen anklopfen will und wie er sich selbst als Trainer einschätzt.

vereinsleben.de: Herr Hildmann, Sie sind seit dem 6. Dezember 2018 Trainer des FCK - also noch recht frisch. Erzählen Sie doch mal etwas über sich, was die Leute vielleicht noch nicht über Sie wissen…

Hildmann: Stimmt, es war am Nikolaus als ich vorgestellt wurde. Puh, was die Leute noch nicht über mich wissen … Ich bin in Kaiserslautern geboren, bin ein ganz normaler Mensch, der sehr gerne Fußball spielt und in seiner Freizeit gerne angeln geht. Da versuche ich immer wieder abzuschalten von dem ganzen Stress den man vor sich hat. Die anstehende Aufgabe ist schon viel.

vereinsleben.de: Wie haben Sie die ersten beiden Monate als Lautern-Trainer erlebt?

Hildmann: Sehr spannend und mit sehr viel Freude. Die Arbeit macht mir wirklich viel Spaß. Ich  bin begeistert von den Lautern-Fans, aber das war ich schon immer. Trotz eines Tabellenplatzes, wo wir uns natürlich noch verbessern wollen, ist die Arbeit immer mit viel Freude verbunden.

vereinsleben.de: Sie kommen aus der Gegend und kennen die Pfalz wie Ihre Westentasche – Haben Sie die freien Tage denn in der Heimat verbracht?

Hildmann: Ich war zuhause, die Familie kam an Weihnachten zu uns. Am zweiten Weihnachtsfeiertag bin ich dann für drei Tage nach Holland gefahren, das war ganz schön um da nochmal ein wenig abzuschalten. Aber als Trainer klingelt das Telefon natürlich ständig. Du bist 24 Stunden erreichbar. Trotzdem war es für mich sehr schön. Denn die letzte Zeit war sehr ereignisreich. Es bringt ja sehr viel mit sich, Trainer bei so einem Traditionsverein wie Kaiserslautern zu werden. Es war alles sehr aufregend und daher gut an Weihnachten noch einmal ein bisschen runterzufahren.

vereinsleben.de: Sie sind in Kaiserslautern geboren, waren selbst als Spieler für den FCK aktiv und sind seit Dezember jetzt Trainer der Roten Teufel. Der FCK ist eindeutig „Ihr Verein“, oder?

Hildmann: Ja, natürlich! Ich glaube wenn man hier aufgewachsen ist, lebt man den Verein, bekommt es schon als Kind zu spüren. Man wird von seinem Vater, Opa oder Onkel mit auf den Betzenberg genommen und schaut sich die Spiele an. Das ist eine DNA die in einem ist. Ich bin schon immer ein Fan von diesem Verein gewesen und jetzt darf ich Trainer sein. Das ist eine Riesensache. Ich habe sehr viele schöne Stunden hier erlebt und will das auch fortführen.

Seit dem 6. Dezember 2018 sitzt Sascha Hildmann beim FCK auf der Trainerbank. (Bild: vereinsleben.de)

vereinsleben.de: Ist der Druck für Sie dann besonders groß?

Hildmann: Nein. Vielleicht der Druck, den ich mir selbst mache. Aber ich kann jederzeit hier durch die Stadt laufen, habe sehr viel positives Feedback bekommen. Die Leute sind alle sehr freundlich und wissen es zu schätzen. Ich glaube, wenn man authentisch bleibt und sich so gibt, wie man ist, hat man auch keine Schwierigkeiten.

vereinsleben.de: Während Ihrer ersten Pressekonferenz als FCK-Trainer wurden Sie von einer Journalistin gefragt, warum Sie sich das antun würden. Hat die Frage Sie eher gestört oder amüsiert?

Hildmann: Beides. Gestört hat es mich in der Hinsicht, dass ich gesagt habe, dass es eine Ehre für mich ist, hier Trainer zu werden. Bei einem solchen Verein, mit einer solchen Geschichte – dass ich hier mal Trainer sein darf. Dann ist das schon etwas Besonderes. Amüsiert hat es mich insofern, dass sich so viele Trainer hier beworben haben, auch unbedingt Trainer werden wollten und ich bin es geworden. Daher hat es mich schon amüsiert.

„Ich vertraue den Leuten“

vereinsleben.de: Im Moment gibt es ja viele Querelen rund um den Verein. Finanzlücke, Diskussionen im Aufsichtsrat und und und … Zur Zeit ist es bestimmt nicht einfach FCK-Trainer zu sein, oder?

Hildmann: Das prallt an mir eigentlich komplett ab. Ich habe eine sportliche Aufgabe, eine sportliche Herausforderung. Ich vertraue den Leuten, die das Ganze organisieren. Wir als Mannschaft wollen mit Siegen die beste Unterstützung liefern, die es gibt. Alles andere wird sich dann alleine ergeben.

vereinsleben.de: Wie gehen Sie als Trainer und auch die Spieler mit den ganzen Themen um?

Hildmann: Es ist ein Thema und wir sprechen da ab und zu auch mal drüber. Das ist doch logisch. Es kursiert ja schon so viel in den Medien. Aber es darf uns nicht belasten. Wir haben unseren Job und wollen Spiele gewinnen. Das ist unsere Aufgabe.

vereinsleben.de: Als Mensch, bzw. Fan muss einem die ganze Lage rund um diesen traditionsreichen Verein aber sicher auch nahe gehen, oder? Zumal der FCK ja auch nicht nur irgendein Verein in der 3. Liga ist…

Hildmann:  Logisch, denkt man darüber nach. Aber wie gesagt, ich habe hier einen Job, bin angestellt und versuche, mich auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Ich glaube sowohl ich, als auch die Mannschaft, tun gut daran, sich auf ihre persönlichen Aufgaben zu konzentrieren. Alles andere wird man sehen.

vereinsleben.de: Sportlich geht es für den FCK in der Rückrunde vor allem darum den doch schon recht großen Rückstand auf Relegationsplatz 3 zu verkürzen. Wie sieht Ihr Masterplan dafür aus?

Hildmann: Den Masterplan werde ich hier natürlich nicht verraten (lacht). Natürlich, es ist eine neue Mannschaft. Im Trainingslager habe ich sie nochmal richtig kennengelernt. Wir haben uns beschnuppert und viel gemeinsam gemacht. Mein Ziel ist es jetzt, diese Mannschaft zu stabilisieren und mit Selbstvertrauen zu versorgen, um zu wissen wie gut sie ist und ihre Stärken dementsprechend auf den Platz zu bekommen. Natürlich ist es ein Abstand nach vorne, aber es kann noch viel passieren. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch.

Seine Bilanz aus den ersten drei Spielen: Ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage. (Bild: vereinsleben.de)

vereinsleben.de: Sie sind ja ein Trainer, der – abgesehen von der Station in Sonnenhof-Großaspach – bisher vor allem Nachwuchsmannschaften trainiert hat. Ist die Entwicklung junger Spieler denn auch ein persönliches Ziel von Ihnen?

Hildmann: Auf jeden Fall! Es ist ja auch die Kernaussage des 1. FC Kaiserslautern wieder auf junge Spieler zu setzen. In der Startelf gegen 1860 München (1:1, letztes Spiel vor der Winterpause, d.Red.) hatten wir fünf oder sechs Spieler die grade mal 20 oder 21 Jahre alt waren. Das spricht für uns. Das spricht für den 1. FC Kaiserslautern. Natürlich will ich das auch fortsetzen. Ich bin nicht nur Weiterbildungstrainer, sondern auch ein Ausbildungstrainer und arbeite sehr gerne mit jungen Spielern zusammen. Wenn ich dann sehe, wie sie sich verbessern, haben wir einen guten Schritt gemacht. Aber natürlich brauchst du auch Erfolg. Beides zusammen wäre super.

„Bin Trainer aus Leidenschaft“

vereinsleben.de: Warum liegt Ihnen die Ausbildung junger Spieler so am Herzen?

Hildmann: Das ist mein Job. Ich bin Trainer aus Leidenschaft und wollte auch immer Trainer werden. Die Ausbildung habe ich mir dann groß auf die Fahne geschrieben. Das zusammen mit einer ersten Mannschaft ist natürlich prima.

vereinsleben.de: In einem DFB-Interview haben Sie mal gesagt, die 3. Liga sei eine persönliche Rampe aber auch Rutschbahn. Wie rutschig ist denn Ihre Rampe im Moment?

Hildmann: Stimmt, das war mein erstes Interview als ich damals in Großaspach Trainer wurde. Ich finde, im Moment ist es eine Rampe. Das versuche ich so weit es geht auszunutzen. Aber natürlich auch als Mannschaft.

vereinsleben.de: Die Rheinpfalz hat Sie als emotionalen aber kühlen Analytiker bezeichnet. Wo würden Sie sich vom Typ her selbst zwischen Pep Guardiola, Jürgen Klopp, Jogi Löw, Jose Mourinho und Louis van Gaal einordnen?

Hildmann: Ich glaube da würde es am ehesten auf Jürgen Klopp rauslaufen. Ich bin schon sehr emotional, aber ich glaube, als Trainer musst du irgendwo auch kühl und klar in den Aktionen sein. Ich darf mich von Emotionen nicht leiten lassen, grade während einem Spiel. Ich muss immer wieder bereit sein, auch klare Entscheidungen zu treffen. In einem Spiel was so lange dauert, ist das sehr wichtig. Auch wenn es hektisch ist, darf man den Kopf nicht verlieren und klare Anweisungen geben. Das schaffe ich glaube ich ganz gut. So als Typ – Pep ist sehr speziell, Kloppo ist sehr speziell. Vielleicht bin ich auch ein ganz eigener Typ.

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