„Football ist das Komplettpaket“

Kommentator Schmiso ist heiß auf den Super Bowl

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 01. Februar 2019

Quelle: picture alliance / dpa

Er brachte gemeinsam mit Buschi, Coach Esume & Co. den Football in die deutschen Wohnzimmer. Mittlerweile hat es ihn zwar zum Pay-TV verschlagen, doch Sport-Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld verfolgt weiterhin aufmerksam die NFL.

Im Interview erzählt er uns was für ihn die Faszination Football ausmacht, worauf es für die Patriots und die Rams ankommt und wie es sich anfühlt, „schuld“ an dem Football-Boom in Deutschland zu sein.

vereinsleben.de: Schmiso, die New England Patriots treffen im Super Bowl 53 auf die Los Angeles Rams – wie sehr freust Du dich auf das Spiel?

Schmiso: Ja, brutal! Das steht für mich in einer Reihe mit dem Champions-League-Finale oder WM-Finale im Fußball. Das ist ein einmaliger Feiertag im Jahr. Er ist nochmal etwas Besonderes, weil er die sowieso schon recht kurze NFL-Saison abschließt. Man weiß, man muss nach dem Super Bowl wieder wahnsinnig lang warten, bis man wieder NFL-Football sehen kann. Ganz Amerika guckt das Spiel, auch auf der Welt gucken mehrere hundert Millionen zu. Es ist eine riesen Party mitten in der Nacht. Ich bin Nachtmensch, daher kommt es mir sehr entgegen, dass das Spiel erst kurz nach Null Uhr los geht. Ich freue mich auch dieses Jahr ohne Ende auf den Super Bowl!

vereinsleben.de: Wie schaust du das Spiel heute Nacht?

Schmiso: Ich werde ein paar Freunde hier zu mir einladen. Ich habe zum Glück eine große Glotze zuhause, auf der man das ganz gut gucken kann. Dazu machen wir dann Burger und Wraps und alles was man so braucht.

vereinsleben.de: Stehen für dich die beiden „richtigen“ Teams im Super Bowl?

Schmiso: Was die Rams angeht, auf jeden Fall. Ich fand sie letztes Jahr schon sehr stark. Sie haben einen überragenden Headcoach. Sean McVay gilt als absolutes Genie und er ist der jüngste Coach der jemals im Super Bowl stand. Ich finde sie haben absolut spektakuläre Spieler. Ich nehme nur mal einen raus: Todd Gurley, der Runningback. Er war für ich und ich glaube auch viele andere der überragende Mann in der regulären Saison. Er hat den Ball alleine 17 Mal in die Endzone gelaufen. Aber auch die Defence-Spieler sind total spektakulär. Die Rams waren sogar vor der Saison schon mein Tipp für den Super Bowl. Die Patriots stehen jetzt zum neunten Mal in der Ära von Quarterback Tom Brady im Super Bowl. Man muss fast schon sagen, dass es langsam etwas langweilig wird. Rein sportlich haben sie es komplett verdient. Aber man hält ja doch meistens irgendwie zum Underdog und hätte gerne ein bisschen Abwechslung. Daher hätten sich wohl alle Fans, außer die der Patriots, gewünscht, dass die New England Patriots nicht schon wieder im Super Bowl stehen. Das ist so ein bisschen die „downside“ davon, aber rein sportlich ist es genau das richtige Team. Sie waren für mich das beste Team in der AFC. Ich hätte es nicht gedacht, dass sie es schaffen. Sie sind inzwischen etwas überaltert, sodass es nicht mehr so leicht geht, aber sie schaffen es immer wieder. Das ist unfassbar.

vereinsleben.de: Die Leistung von New England in den letzten Jahren ist ja ziemlich beeindruckend – Wird es nochmal sowas wie die Ära von Quarterback Tom Brady und Coach Bill Bellichik geben?

Schmiso: Sag niemals nie, heißt es immer. Aber ich kann mir das nicht vorstellen. Die NFL tut wirklich alles dafür, dass du, wenn du ein schlechtes Team bist, wieder nach oben kommst. Und wenn du ein gutes Team bist, es schwer wird, ein so gutes Team zu bleiben. Das funktioniert auch bei allen Teams, außer bei den Patriots, seit dem Tom Brady und Coach Bill Bellichik seit dem Jahr 2000 zusammen arbeiten. Sie haben es neun Mal in den Super Bowl geschafft und ihn fünf Mal gewonnen. Wenn man sich anschaut, was andere herausragende Quarterbacks und ihre Coaches so geschafft haben, war für alle anderen bei vier Triumphen Schluss. Und an neun Teilnahmen kommt sowieso niemand auch nur annähernd ran. Also ich sehe es nicht, da müsste sich die NFL schon sehr verändern und nicht mehr so sehr auf ihr höchstes Gut, die Ausgeglichenheit, setzen. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich sage jetzt, dass ich es zumindest zu meinen Lebzeiten – und ich lebe hoffentlich noch ein paar Jahre – nicht erlebe, dass ein Team nochmals so eine Ära hat, wie es die Patriots seit 2000 haben.

vereinsleben.de: Ist die Rams-Defensive die Top-Stars Aaron Donald oder Ndamukong Suh der Schlüssel zum Sieg für die Rams?

Schmiso: Aaron Donald ist für mich einer der drei besten Defence-Spieler der Liga. Als ich dann noch gehört habe, dass Ndamukong Suh, wahrscheinlich der böseste Spieler den die NFL je gesehen hat, dazu kommt, da bin ich echt zusammengezuckt. Ich habe mir gedacht, wie soll da noch eine Offensiv-Line gegen diese Bulldozer klar kommen. Ich konnte mir es gar nicht vorstellen. Die meisten Teams haben es dann doch irgendwie geschafft, ihren Quarterback zumindest nicht ständig niederrennen zu lassen. Ich sehe die Offensiv-Line der Patriots stark genug um es zu schaffen. Aber für sie wird es wichtig, den Ball schnell zu verteilen. Genau das haben sie auch in den letzten Spielen schon sehr gut gemacht. Da gab es einen schönen Satz von Joey Bosa (Los Angeles Chargers, d.Red.), einem weiteren Super-Verteidiger in der NFL, der hat Tom Brady im Spiel zugerufen ‚Hör doch mal auf, den Ball so schnell weg zu werfen‘, weil er einfach frustriert war, dass er ihn nicht zu fassen bekommen hat. Das wird das große Mittel sein, was die Patriots gegen diese beiden Superstars in der Rams-Defence anwenden werden.

Buschi, Schmiso, Esume & Co. - sie brachten den NFL-Football in die deutschen Wohnzimmer. (Bild: picture alliance / dpa)

vereinsleben.de: Als ehemaliger Teil der ersten Crew die sich in Deutschland gewagt hat, den Football wirklich auf den Bildschirm zu bringen – also dem ranNFL-Team – bist Du ja im Prinzip mitverantwortlich für diesen Boom, den es hier ja gibt. – Wie fühlt sich das für dich an?

Schmiso: Für mich ist es natürlich eine große Ehre, wenn es denn immer noch so gesehen wird. Für mich steht da mein Kumpel Buschi (Frank Buschmann, d.Red.) ganz vorne. Ich finde, er war wirklich das Aushängeschild. Er hat ja auch schon lange bevor wir mit Pro7 Maxx die Regular Season gezeigt haben,  mit überragenden Super-Bowl-Übertragungen den Weg geebnet. Ich hatte es da relativ leicht, mich an dieses überragende Team dran zu hängen. Mich hat es natürlich gefreut, dass mich so viele Leute gut angenommen haben. Wenn ich jetzt viel in den Handball-Hallen unterwegs bin, ist die zweite oder dritte Frage meistens eigentlich immer, wann ich zu ranNFL zurückgehe. Also es ist schon noch immer eine sehr besondere Beziehung. Und ich muss auch sagen, das ist das Einzige, worüber ich mich freue, wenn der Super Bowl vorbei ist: Ich leide jeden Sonntag wenn ich gucke, ehrlich gesagt ein bisschen mit, dass ich nicht mehr selber da sitzen darf. Zum Glück darf ich aber bei Sky ja genauso viel Dinge machen, die mir Spaß machen. Aber das ist so das Einzige, wie ich dem ausweichen kann, dass ich in eine große Melancholie verfalle, wenn ich meine alten ranNFL-Kollegen bei der Arbeit sehe.

vereinsleben.de: Ihr seht euch ja auch noch ab und zu oder?

Schmiso: Buschi sehe ich meistens alle zwei Wochen. Wir schreiben auch sehr oft miteinander. Patrick Esume besuche ich immer wenn ich in Hamburg bin, auch wenn er in München ist, versuchen wir es zu schaffen. Mit den zwei habe ich also noch sehr viel Kontakt. Auch mit Christoph „Icke“ Dommisch. Nur mit ihm ist es so: Den muss man 13 oder 14 Mal anrufen, bis er ran geht oder zumindest zurück ruft. Ich freue mich aber immer, wenn ich ihn mal zu fassen kriege. Aber es ist immer sehr, sehr mühsam ihn öfter zu sehen. Volker Schenk wohnt ja auch in der Nähe München, den sehe ich auch noch öfter.

vereinsleben.de: Schön das da wirklich der Kontakt bestehen bleibt oder?

Schmiso: Ja, da merkt man auch, dass es einfach eine geile Crew und Zeit war. Da ist wirklich etwas Besonderes draus gewachsen, auch auf privater Ebene.

Die ranNFL-Crew aus dem Jahr 2016 - mittlerweile hat es "Schmiso" (vorne rechts) weiter zum Pay-TV gezogen. Seine Kollegen um Christoph "Icke" Dommisch, Jan Stecker, Patrick Esume und Roman Motzkus sind weiterhin bei ranNFL zu sehen. (Bild: picture alliance / dpa)

vereinsleben.de: Was macht denn für dich die Faszination „Football“ und „Super Bowl“ aus?

Schmiso: Gute Frage … Da habe ich auch schon öfter drüber nachgedacht. Ich glaube aus europäischer Sicht, ist es etwas, das weit weg und ein bisschen ungreifbar ist. Ich merke es jetzt zum Beispiel im Handball. Was für mich undenkbar war, ich sitze mit Heiner Brand zusammen in der Halle, der für mich ein absolutes Genie und eigentlich auch weit weg war, aber dann habe ich gemerkt: ‚Hey, wenn du im Handball arbeitest, dann kannst du diese Helden aus dem Sport – das gilt auch für die Fußballer – irgendwie und irgendwann als Menschen kennen lernen. Die NFL ist eben aus europäischer Sicht so unendlich weit weg. Dieser Sport wird hierzulande auf einem Niveau betrieben, wo die sich in den USA – sorry – kaputt lachen würden. Deswegen ist dieser Heldenstatus, den die NFL-Spieler bei allen, die sich für Football interessieren, erreichen können, nochmal viel ausgeprägter. Es ist eben eine Glitzer-Scheinwelt, die so weit weg ist. Das ist dieser Personenkult bei den NFL-Stars. Ich habe das selbst erlebt, als Odell Beckham Jr. in München war. Der konnte kaum noch aus dem Laden raus, aus dem er Interviews und Autogramme gegeben hat, da eine Menschenmasse in der Münchner Innenstadt war, mit der einfach keiner gerechnet hat. Das andere ist: Dieser Sport ist einfach sensationell spektakulär.  Er wird mit tausenden Kameras hochwertig produziert, es ist einfach geil anzuschauen. Es gibt geile Geschichten, weil es teilweise Jungs sind, die von ganz unten aus den Ghettos kommen, sich dann nach oben gearbeitet haben und den Sport als ihre einzige Hoffnung hatten. Es ist einfach das Komplettpaket. Geile Geschichten, ein geiler Sport, der geil anzuschauen ist. Das ist Football für mich.

vereinsleben.de: Du bist mittlerweile ja als Moderator und Kommentator für Sky eigentlich ständig im Einsatz – kommst Du trotzdem noch dazu, die NFL regelmäßig zu verfolgen?

Schmiso: Nicht so viel, wie ich gerne würde. Ich schaue schon extrem viel Handball und Fußball, was mir genauso Spaß macht. Da das außerdem noch mein Job ist, hat das Vorrang. Aber immer wenn es funktioniert, gucke ich natürlich noch NFL. Aber spätestens zu den Playoffs ist Schauen dann Pflicht. Da schiebe ich dann auch jeden Termin weg, der mir Samstags oder Sonntags in die Quere kommt.

vereinsleben.de: Seitdem Sean Mc Vay die Rams übernommen hat geht’s da ja bergauf – der ist ja wirklich ein wandelndes Football-Lexikon…

Schmiso: Das ist absolut eindrucksvoll. Ich neulich ein Video von ihm gesehen, wo er gefragt wird, welches Play er in Woche XY gegen Gegner XY beim Stand von XY gecalled hat. Und er wusste es noch ganz genau, nach all den Wochen und den tausend anderen Spielzügen die er in der Zwischenzeit durchgegeben hat. Es gibt andere Ausschnitte, da wird er nach der Defence vom Gegner gefragt und konnte zu jedem der elf Spieler etwas sagen. Das ist absolut unfassbar. Wenn man sich näher mit ihm befasst, kann man auch verstehen, warum er in diesem jungen Alter schon zum Chefcoach aufgestiegen ist.

vereinsleben.de: Dann brauchen wir natürlich noch dein Tipp: Wie geht der Super Bowl aus?

Schmiso: Ich habe das Gefühl, dass die Rams es packen. Ich glaube, dass das Laufspiel ein entscheidender Faktor wird. Auch wenn die Patriots es bisher gut gemacht haben in den Playoffs, die Rams können es noch besser. Ich habe das Gefühl, es ist an der Zeit für die Rams. Seitdem sie in einem ziemlichen Tal waren, geht es seit der Ankunft von Sean McVay ständig bergauf. Es erinnert mich ein bisschen an die Seattle Seahawks. Ich meine die sind auch im dritten oder vierten Jahr von Quarterback Russell Wilson durchgestartet und haben den Titel geholt. Und bei Jared Goff glaube ich auch, dass er in bereits in seinem dritten Jahr reif für den Titel ist.

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