Völkerball ist "legalisiertes Mobbing"

Kanadische Forscher kritisieren beliebtes Spiel

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Juli 2019

Quelle: picture alliance / AP Images

Kaum ein Spiel wird im Sportunterricht so oft durchgeführt wie Völkerball. Nun kommt aber Kritik aus Kanada: Das Spiel fördere Unterdrückung und sei „legalisiertes Mobbing".

Kanadische Forscher um Bildungswissenschaftlerin Joy Butler haben in einer Studie herausgefunden, dass Völkerball alles andere als ein schönes Spiel im Sportunterricht ist. "Völkerball ist gleichzusetzen mit legalisiertem Mobbing", sagte Butler dem kanadischen Sender CBC. Die Botschaft des Spiels sei, „anderen weh zu tun“ und sie zu „entmenschlichen“.

Schüler im Alter von zwölf bis 15 Jahren wurden zum Sportunterricht in der Schule befragt. Die Ergebnisse wurden auf einem Kongress in Vancouver vorgestellt und sollen demnächst in der Fachzeitschrift "European Physical Education Review" erscheinen. Völkerball wurde demnach besonders häufig negativ genannt. 

Bei dem Spiel treten zwei Mannschaften gegeneinander an und werfen mit einem Ball die Spieler des gegnerischen Teams ab, woraufhin diese sich außerhalb des Spielfeldes stellen müssen. Von dort aus können sie sich aber wieder mit dem Abwurf eines Gegners zurück in das eigene Spielfeld bringen. Entgehen können die Spieler dem Abwurf, indem sie dem Ball ausweichen oder ihn fangen.

Butler erklärte dem Sender CBC, dass viele Lehrer Völkerball als ein Hilfsmittel dafür sehen würden, Kinder auf spielerische Weise für die Gesellschaft und die „echte Welt“ zu formen. Sie ist völlig anderer Meinung: Gerade die stärkeren Schüler würden das Spiel nutzen, um schwächere Klassenkameraden zu demütigen. „Die Botschaft des Spiels ist, dass es okay ist, andere zu verletzen“, sagte Butler, die lange selbst als Lehrerin gearbeitet hat, der Washington Post. Der Sportunterricht sollte „ein Ort sein, an dem Lehrer den Schülern dabei helfen, ihre Aggressionen zu kontrollieren, anstatt sie auszuleben.“ Stephen Berg, Co-Autor der Studie und Professor für Pädagogik an der UBC Okanagan in Kelowna/British Columbia, ergänzt: „In der Schule reden wir viel über Freundlichkeit, Empathie und Mitgefühl. Im Sportunterricht verschwinden alle diese Begriffe.“

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