Kuriose Storys von der Tour

Schlafmittel, Juckpulver und Abkürzungen

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 12. Juli 2019

Quelle: dpa

Die Tour de France ist das bekannteste Radrennen der Welt. In der Geschichte gab es schon so einige kuriose Vorfälle. Wir zeigen Euch die besten, skurrilsten und lustigsten Storys.

Die zweite Auflage der Tour de France im Jahr 1904 war geprägt von Skandalen. Fahrer, Betreuer und Zuschauer waren sich uneinig darüber, wer die Tour gewinnen sollte und mischten kräftig mit um ihren Favoriten zum Sieg zu verhelfen.

Vor bestimmten Mitteln und anderen Intrigen wurde nicht halt gemacht. So füllte man Jean Fischer ein Abführmittel in sein Getränk, während Henri Cornet eine mit Schlafmittel präparierte Hühnerkeule aß, was zur Folge hatte, dass er während der Etappe einschlief und stürzte. Jean-Baptiste Dortignacq  und Philippe Jousselin fielen einem heimtückischen Mittel zum Opfer. Sie litten unter fürchterlichen Sitzbeschwerden, weil man ihnen Juckpulver ins Trikot gestreut hatte.

Fäuste und Nägel fliegen

Ferdinand Payan fuhr hingegen mit einem angesägten Rahmen, der während des Rennens brach. Später wurde Payan disqualifiziert, da er einen mutmaßlichen Täter niedergeschlagen haben soll. Doch nicht nur die Fahrer wurden handgreiflich, sondern auch die Zuschauer attackierten die Fahrer: Sie ließen ebenfalls die Fäuste sprechen oder streuten sogar Nägel auf die Strecke, um die Fahrer von ihrem Ziel abbringen zu können.

Henri Cornet ist trotz einer Schlafmittelattacke der bis heute jüngste Sieger der Tour de France. (Bild: picture alliance)

Maurice und Cesar Garin, Lucien Pothier und Hyppolite Aucouturier führten in Paris die Gesamtwertung der Tour 1904 an. Aber nicht, weil die vier die besten Fahrer ihrer Zeit waren, sondern weil sie eifrig die Landkarte studiert und zeitsparende Abkürzungen ausgetüftelt hatten. Die vier legten einen Teil der Strecke mit dem Zug zurück, wurden aber an einem Bahnhof von einem Jungen gesichtet, der sie verpetzte. Daraufhin wurden alle vier disqualifiziert und der erst 19-jährige Cornet wurde trotz Schlafmittel-Attacke zum Sieger ernannt. Damit ist er bis heute der jüngste Tour-Sieger.

Vom Alkohol ausgebremst

Der Algerier Abdel-Kader Zaaf zeigte während der Tour 1950 auf der 13. Etappe von Perpignan nach Nîmes zunächst sein ganzes Können: Er schaffte es, bei einem Ausreißversuch unter sengender Sonne über zehn Minuten Vorsprung herauszufahren. Es dauerte aber nicht lange, dann machte ihm die Hitze doch zu schaffen: Völlig erschöpft genehmigte sich Zaaf vor einem Straßencafé zwei Flaschen Weißwein zur Stärkung, musste dem Alkoholkonsum aber schon wenig später Tribut zollen und schlief unter einem Baum ein. Nach dem Nickerchen, völlig verwirrt, wollte Zaaf das vorbeigefahrene Feld wieder einholen – fuhr aus Versehen aber in die falsche Richtung und damit zurück nach Perpignan. Danach war für Zaaf die Tour in diesem Jahr beendet.

Der algerische Radfahrer Kader-Abdel Zaaf im Jahr 1955 beim "Grand Prix des Nations". (Bild: picture alliance / akg)

Als man ihn zu dem Vorfall befragte, erzählte Zaaf das Erlebnis jedoch anders: Ein Zuschauer habe ihm eine Flasche gereicht, von deren Inhalt ihm schwindelig geworden war. Daraufhin sei er vom Rad gestürzt,  Zuschauer hätten ihn unter einen Baum gelegt und ihm Wein eingeflößt. Welche Geschichte stimmt kann wohl nicht mehr geklärt werden, Zaaf verstarb im September 1986.

Baden statt Radeln

Auch die anschließende 14. Etappe von Nîmes nach Toulon sollte in die Geschichtsbücher der Frankreich-Rundfahrt eingehen: Dafür sorgte der belgische Radprofi Albéric Schotte. Aufgrund der unerträglichen Hitze verständigte sich Schotte mit seinen Kollegen darauf, eine erfrischende Pause einzulegen. Als das Hauptfeld eine Küstenstraße bei Grimault passierte, ordneten die Teamkapitäne eine kollektive Schwimmpause an. Etwa 60 Fahrer gingen darauf ins Mittelmeer um zu baden und sich abzukühlen.

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