Kunstrasen: Innen- und Sportministerium RLP stoppt Förderung

Beschluss gegen Kunstrasenplätze mit Kunststoff-Einstreugranulat

Verbandsnews > Landessportbund Rheinland-Pfalz Veröffentlicht am Dienstag, 16. Juli 2019

Quelle: picture alliance / Pressefoto Ulmer

Das rheinland-pfälzische Ministerium des Innere und für Sport hat bekannt geben, das Kunstrasenplätze mit Kunststoff-Einstreugranulat künftig vom Land nicht mehr gefördert werden. Hintergrund ist das drohende mögliche generelle Verbot durch die Europäische Union (EU).

Es ist derzeit eines der am meist diskutierten Themen – die Verschmutzung der Welt durch Mikroplastik. Von den neusten Entwicklungen sind vor allem rheinland-pfälzische Sportvereine betroffen! Denn wie der Landessportbund Rheinland-Pfalz in einer Pressemitteilung bekannt gab, entschloss sich das Innen- und Sportministerium, gültig mit Schreiben vom 10. Juli 2019, keine finanzielle Förderung von Kunstrasenplätzen mit Kunststoff-Granulat als Einfüllstreu mehr zu bewilligen.

„Der LSB begrüßt die Entscheidung des Sportministeriums, stehen wir doch auch in der Verantwortung, Kommunen und unsere Sportvereine aufgrund eines möglichen kurzfristigen Granulat-Verbots vor zukünftigen Fehlinvestitionen zu schützen“, kommentiert Jochen Borchert, kommissarischer LSB-Präsident zur Entscheidung des Ministeriums.

EU überlegt generelles Verbot

Hintergrund dieser Entscheidung ist die Tatsache, dass die EU überlegt, ein generelles Verbot von Kunststoffgranulat schon ab dem Jahr 2021 einzuführen. Beruhend auf einer Studie durch das Fraunhofer-Institut zählt von Kunstrasenplätzen oder Laufbahnen ausgetragenes Kunststoff-Granulat zu den Top 10 Faktoren der Mikroplastikverschmutzung der Umwelt.

Die EU-Chemikalien-Agentur ECHA will bis September 2019 eine Aussage treffen, was sie beabsichtigt, der EU vorzuschlagen um die Emission von Mikroplastik in die Umwelt zu stoppen.

Suche nach Alternativen

Der DOSB, DFB, kommunale Spitzenverbände und auch der LSB Rheinland-Pfalz sprechen sich unterdessen für eine mehrjährige Übergangsfrist aus. So soll Zeit gewonnen werden, eine geeignete Alternative zu suchen. Das Sportministerium bittet, für erfolgreiche Förderanträge nur noch alternative Lösungen wie Kork, Sand, Hybrid oder Kunstrasen ohne Verfüllung zu beantragen.

Auch in anderen Bundesländern gibt es übrigens schon ähnliche Beschlüsse, teils mit unterschiedlichen Ansätzen. Eine generelle Lösung ist bisher noch nicht in Sicht.

Nahezu fest steht: Mit Kunststoffgranulat wird es nicht weiter gehen: Ein Quadratmeter Kunstrasen werde mit rund fünf Kilogramm Granulat aufgefüllt, erklärt Umwelttechniker Torsten Weber beispielsweise der Zeitung „Mannheimer Morgen“. So komme auf einem Großfeld-Sportplatz mit rund 7.000 Quadratmetern eine sagenhafte Gesamtmenge von 35 Tonnen Kunststoff-Granulat. Durch Austragung, also etwa Starkregen, der das Granulat in die Umwelt spült, oder auch durch an Schuhen, Kleidung oder Reinigungsgeräten hängen gebliebenes Granulat, kämen so deutschlandweit rund 10.000 Tonnen der Plastikkügelchen in Boden und Grundwasser.

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