Chemnitzer FC droht zu zerbrechen

Rassismus-Problem verhärtet sich

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Samstag, 31. August 2019

Quelle: picture alliance/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir lassen uns nicht erpressen", steht auf einem Banner geschrieben, das die Chemnitzer Fans im Rahmen des Freitags-Spiels gegen 1860 München (0:1) vor der Südkurve aufgehängt haben. Nach einem Boykott einiger Ultra-Gruppierungen ist die Kurve an diesem Abend halb leer - was die angespannte Situation im und um den Verein noch einmal unterstreicht.

Mehrere Ultra-Gruppierungen boykottieren die Drittliga-Partie am Freitagabend gegen die Kellerkollegen von 1860 München. Der Boykott und das Banner sind Antworten auf Geschäftsführer Thomas Sobotzik. Er hatte den CFC-Spielern nach der Begegnung bei Bayern München II vergangene Woche verboten, in die Kurve zu gehen, nachdem er von CFC-Anhängern als "Judensau" beleidigt worden war. 

Vor einigen Wochen begann alles mit der Entlassung von Ex-Kapitän Daniel Frahn, der aufgrund seiner Nähe zu rechtsextremen Hooligans gehen musste. Damals ließ der CFC verlauten, ein "Bollwerk gegen Rechtsradikalismus" sein zu wollen. Öffentliche Zeichen dafür wie Flyer, eine Videobotschaft oder ähnliches sucht man aber auch nach den Vorfällen am vergangenen Wochenende vergebens.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat anlässlich der anhaltenden Rassismus-Problematik beim Chemnitzer FC auch die Politik zu einem größeren Engagement aufgerufen. "Wir alle müssen gemeinsam für Menschlichkeit und gegen Diskriminierung eintreten: Verbände, Vereine, Fans, Spieler. Auch die Hilfe und Unterstützung der Politik sind enorm wichtig, denn es geht hierbei um ein gesellschaftliches Thema", sagte der 1. DFB-Vizepräsident Rainer Koch dem SID.

Zuletzt hatten sich bereits Verantwortliche des Fußball-Drittligisten beklagt, dass die Politik vor Ort zu wenig gegen rechtsextremistische Kräfte unternehme. Nach der Entlassung Frahns hatte CFC-Sportdirektor Thomas Sobotzik gesagt: "In Chemnitz und im Umland hatte sich nur die AfD öffentlich geäußert, sonst niemand. Das hat mich gestört und finde ich sehr schade."

Der DFB unterstützt nach eigener Darstellung den Klub dabei, sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu positionieren. Im Zuge der Auflagen wurde ein Anti-Rassismus-Beauftragter eingesetzt. Dennoch spricht auch der Dachverband von einer schwierigen Lage: "Die Problemstellungen rund um den Chemnitzer FC sind komplex und kaum kurzfristig zu lösen."

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