Rechte Hetze nach schwerer Verletzung

Afrikanischer Fußballer steht nach vermeintlichem Foul am Pranger

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Montag, 23. September 2019

Quelle: pixabay/Gerhard Gellinger

Bei einem Kreisligaspiel im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt verletzt sich ein junger Fußballer schwer. Der gegnerische Spieler, ein Flüchtling aus Guinea-Bissau, steht seitdem im Landkreis und in den sozialen Netzwerken am Pranger - weil er Wiederholungstäter sei und aus Vorsatz handeln würde. Die gegnerischen Vereine streiken seitdem und treten nicht mehr an. Sein Verein, Blau-Weiß Grana, wehrt sich hingegen schon seit Jahren gegen Rassismus.

Es stand 1:4 beim Kreisligaspiel  zwischen der VSG Löbitz und dem SV Blau-Weiß Grana, als die Partie abgebrochen wurde. Der Grund: Löbitz´ Moritz Prater lag verletzt am Boden und wurde kurze Zeit später ins Krankenhaus geflogen - mit einem mehrfachen Schien- und Wadenbeinbruch. Sein Gegner, Momodou Jawara, soll ihm absichtlich die Beine gebrochen haben. Das ist jedenfalls die Auffassung der Löbitzer und zahlreicher anderer Mannschaften und Fußballfans im Kreis. Ein Wiederholungstäter soll Jawara sein, das Naumburger Tageblatt schrieb: „Mamodon Jawara ist übrigens nicht das erste Mal so unrühmlich aufgefallen. Bereits in der vergangenen Saison hatte er drei anderen Spielern gegnerischer Teams Bein- und Knöchelbrüche zugefügt.“ Offensichtlich rechtsgewandte Seiten nutzen das als Vorlage: "Brutalo Armutsasylant bricht vier jungen Fußballern grundlos Beine“ ist dort unter anderem zu lesen. 

Im aktuellen Fall hat Jawara allerdings nicht mal eine Karte gesehen. Grana-Kapitän Johannes Heger und Trainer Mario Schettig standen wenige Meter daneben und sprechen von einem Pressschlag. Und das sahen auch die Schiedsrichterin und ihre Assistenten so. In dem Spielbericht hatte sie ebenfalls einen Pressschlag eingetragen. Darüber hinaus hatte der Fußballverband Sachsen-Anhalt alle Spielberichtsbögen der vergangenen vier Jahre begutachtet. „In keinem einzigen steht etwas von diesen vier Fällen“, sagte FSA-Geschäftsführer Christian Reinhardt gegenüber der Volksstimme und ergänzt: „Meine Befürchtung ist, dass die Situation politisiert wird.“

Der SV Blau-Weiß Grana gilt schon länger als Integrationsprojekt in einer Region, in der rechte Positionen durchaus verbreitet sind. Vor vier Jahren kamen Bewohner des damals benachbarten Asylheims auf den Sportplatz von Grana und wurden schon bald ein Teil der Mannschaft - heute blickt das Team auf Spieler aus 14 Nationen. Eine Situation, die vielen im Kreis nicht gefällt. Vor wenigen Wochen soll ein Schiedsrichter zu Heger vor einem Spiel gesagt haben: "Wenn eure Ausländer nicht Deutsch sprechen, gibt es Gelb – und beim zweiten Mal Rot!"

Seit dem Vorfall am 31. August wollte keine Mannschaft mehr gegen Grana antreten. Der TSV Tröglitz reiste eine Woche nach dem Spiel gegen Löbitz zum Pokalspiel in Grana an, weil Jawaras Name auf dem Spielberichtsbogen stand reiste die Mannschaft aber sofort wieder ab. „Wir mussten einfach reagieren“, sagte Jörg Heinold vom TSV und ergänzte: "Wir haben mit dem Spieler unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Es geht einfach um einen Fußballspieler, der mehrfach auffällig geworden ist. Es ist durchaus vorstellbar, dass es in der Region in der Vergangenheit zu Beleidigungen wegen der Herkunft gekommen ist. Das ist nicht in Ordnung und natürlich ein Problem, hat aber nichts mit diesem konkreten Fall zu tun."

Ein gemeinsames Treffen aller Vereine mit dem Fußballverband ist für den morgigen Dienstag, 24. September, angesetzt. Dann wird sich wohl auch entscheiden, ob das für Samstag angesetzte Heimspiel des SV Blau-Weiß Grana gegen den SV Teuchern stattfinden wird. Auch Teuchern denkt über einen Boykott nach. Der SV Blau-Weiß Grana um Trainer Schettig will aber nicht einknicken:  "Er hat nichts verkehrt gemacht. Warum sollen wir ihn bestrafen? Nur, weil es die anderen wollen?"

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