Deutsche Turnerin sorgt für Welt-Premiere

Langer Turn-Anzug als Protest gegen Sexismus

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Donnerstag, 22. April 2021

Quelle: picture alliance/KEYSTONE | GEORGIOS KEFALAS

Die deutsche Turnerin Sarah Voss hat bei der Turm-EM in Basel für eine Welt-Premiere gesorgt! Als erste Athletin überhaupt, trat sie nicht wie üblich in einem knappen Outfit an, sondern mit langem Anzug.

Es ist ein Thema, das sportartenübergreifend für Diskussionen sorgt. Egal ob beispielsweise im Beachvolleyball oder im Turnen – die knappen Outfits der Athletinnen sorgen bei vielen Damen für Frust. Bei der Turn-Europameisterschaft hat die deutsche Turnerin Sarah Voss nun für eine Überraschung gesorgt und die Konkurrenz mit einem langen Turn-Anzug überrascht.

Voss zur Bild-Zeitung: „Es turnte sich sehr bequem. Wir haben das schon über ein Jahr im Kopf, es zu tun. Wir haben designed, anprobiert, nun war der Tag gekommen. Wenn wir uns im Training wohl fühlen, warum dann nicht auch im Wettkampf?“ Im Training trainiere sie sowieso immer mit langen Hosen, „wie die meisten anderen auch. Nur im Wettkampf war es neu. Das hat auch noch keine andere Frau gemacht.“

„Wollen einfach nichts zeigen“

Für Voss ist es der erste Schritt im Kampf gegen den Sexismus. Immer mehr Frauen und auch Mädchen fühlen sich durch die besonders im Schritt knappen Outfits unwohl. „Kinder kommen sehr jung in die Sportart. Wir spreizen die Beine, da sind Fotografen, ab und zu verrutscht auch mal was. Wir wollen einfach nichts zeigen“, so die fünffache deutsche Meisterin.

Auch ihre Team-Kolleginnen Elisabeth Seitz und Kim Bui wollen in Laufe der EM noch mit dem neuen Anzug antreten. Dass sie die erste Frau überhaupt gewesen war, sei reiner Zufall. „Es war von Anfang an ein Team-Gedanke. Ich freue mich über die Ehre, die Erste zu sein, aber das lag an der Startliste.“

„Der Konkurrenz gefiel es sehr gut“

Die Reaktionen ihrer Kontrahentinnen, die allesamt noch im üblichen Outfit antraten, sei laut Voss durchgehend positiv gewesen: „Der Konkurrenz gefiel es sehr gut. Ihnen gefiel die schöne Linie, das Outfit streckt die Beine. Auch unsere Jungs fanden das gut. Die haben wir mit dem finalen Produkt echt überrascht.“

Grazil und elegant auch im langen Anzug – Turnerin Sarah Voss hat Gefallen an ihrem neuen Outfit gefunden. (Bild: picture alliance/KEYSTONE | GEORGIOS KEFALAS)

Zu kaufen gibt es die neuen Anzüge übrigens nicht. Denn genau wie die herkömmlichen Anzüge werden sie maßgeschneidert für jede Athletin einzeln angefertigt. Dennoch wünscht sich Voss ein Umdenken: „Ich hoffe, auch Jüngere, die sich nicht ganz so wohlfühlen, machen mit und tragen künftig die lange Variante.“

Sportlich lief es für die 21-Jährige übrigens nicht wirklich rund. Sie stürzte am Balken und verpasste damit das Finale.

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