Sixpack und schlank in 30 Tagen?

Experte klärt auf: Das bringen 30-Tages-Challenges

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 23. April 2021

Quelle: picture alliance / Zoonar | David Freigner

Kann man sich in nur 30 Tagen wirklich einen Sixpack antrainieren oder zahlreiche Kilos verlieren? Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln klärt auf.

Es klingt fast schon zu verlockend um wahr zu sein – 30 Tage lang täglich ein paar kleine Übungen und am Ende purzeln die Pfunde und die Bikini-Figur oder der Waschbrettbauch sind perfekt. Doch genau das versprechen zahlreiche sogenannte 30-Tages-Challenges. Doch kann das wirklich sein? Wir haben einen gefragt, der es ganz genau wissen muss. 

Prof. Dr. Ingo Froböse ist einer der größten und bekanntesten Experten deutschlandweit auf diesem Gebiet. Als Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln ist er als Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung sowie als Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation einer der der führenden Experten.

Wir haben ihn nach seiner Meinung über die Challenges gefragt und eine klare Antwort erhalten.

vereinsleben.de: Herr Professor Froböse, vor allem jetzt im Frühjahr, werden viele Sportprogramme beworben, die uns den perfekten Bikini-Body oder die Sommerfigur versprechen. Und das am besten natürlich so schnell wie möglich. Deswegen gibt es ganz viele 30-Tage-Sport-Challenges. Was steckt dahinter und funktioniert es in der Grundlage überhaupt? 

Prof. Dr. Froböse: Sagen wir so: Ein gutes Gefühl bereiten sie in der Regel schon. Aber das ist auch alles, was sie leisten können. Dadurch wird kein Sixpack entstehen, der Bizeps wird dadurch nicht wachsen und auch die Kilos auf der Waage werden dadurch nicht großartig schrumpfen. Also insofern sind 30-Tage-Challenges, die mich so ein bisschen emotional vorbereiten auf das Neue. Auf ein neues Leben hoffentlich, was danach dann dauerhaft stattfinden wird. Nämlich ein aktives Leben. Aber ansonsten, 30 Tage werden in der Regel nichts ausmachen in dieser Richtung. 

vereinsleben.de: Wir werden gleich noch speziell auf verschiedene Versionen davon schauen, aber vorher noch: Haben Sie selbst schon Erfahrungen mit diesen 30-Tage-Challenges gemacht?

Prof. Dr. Froböse: Auch wir bekommen natürlich relativ viele Nachfragen. ‚Wie bewegt sich das?‘ Ich sage es einmal so: Meine 30 Tage laufen 365 Tage lang. Und das ist einfach gut so, weil ich glaube, der dauerhafte Erfolg ergibt sich nur dadurch, indem ich einfach dauerhaft dabei bleibe.

vereinsleben.de: Sie hatten es gerade schon einmal erwähnt: Sixpack-Challenge, 30 Tage verschiedene Übungen. Kann das überhaupt funktionieren?

Prof. Dr. Froböse: Viele haben unterhalb der Fettschicht ja schon einen Waschbrettbauch. Den sieht man aber nicht, da er vom Fett verdeckt wird. Und das wird sich natürlich auch nach 30 Tagen nicht ändern. Wir haben hier zwei Komponenten: Einerseits muss die Muskulatur wachsen und zum zweiten muss sie auch sichtbar wachsen. Das heißt, das Fett darüber muss weg sein. Und das funktioniert natürlich nur bedingt. Wenn ich einmal eine Zahl nehme: Ein Kilogramm Körperfett hat ungefähr 7000 Kilokalorien. Bis man die verbrannt hat, auch vor allen Dingen durch Muskeltraining, brauchen wir schon einige hundert Stunden, um das wirklich verbrannt zu haben. Und da reichen 30 Tage bei weitem nicht aus, um das zu realisieren. Selbst bei einem Kilogramm Körperfett wird man scheitern.

Prof. Dr. Ingo Froböse veröffentlichte bereits zahlreiche Bücher zu den Themen Fitness, Gesundheit und Sport. (Bild: picture alliance/dpa | Marius Becker)

vereinsleben.de: Wie schaut es aus mit so einem Sieben-Minuten-Workout? Da gibt es zum Beispiel eine App, da kann man an jedem Tag, 30 Tage lang eben so ein Sieben-Minuten-Workout machen. Auch hier das Versprechen, am Ende wieder schlank und fit zu werden. Was halten Sie von so einem Versprechen?

Prof. Dr. Froböse: Also sieben Minuten ist natürlich auch eine schöne Trainingsform. Aber auch hier muss man wirklich sagen: Das ist natürlich für die Leistungsfähigkeit gut. Man wird schon fitter dadurch. Wenn man das 30 Tage lang sieben Minuten macht und kommt aus einem untrainierten Status, dann geht das schon. Aber bezogen auf schlank, würde ich eher sagen, da muss man die weiße Fahne hissen. Das wird nicht gelingen. Fit würde ich sagen, ja. Man wird auf jeden Fall etwas fitter. 

vereinsleben.de: Schauen wir auf eine relativ neue Challenge: die Hula-Hoop-Challenge. 30 Tage lang, 30 Minuten täglich mit dem Hula-Hoop-Ring. Es gibt viele positive Erfahrungsberichte. Besonders am Hüft- und am Bauchumfang soll man damit abnehmen. Woran liegt das und kann das überhaupt gehen? 

Prof. Dr. Froböse: Das ist natürlich erst einmal emotional schön, weil das einen so ein bisschen in die Kindheit zurückversetzt. Und es gibt mittlerweile ja sogar Hula-Hoop-Teile mit Gewichten, die man dann etwas schwerer um die Hüfte bewegt. Aber auch hier muss man ganz klar sagen: Solange die Fettschicht noch oberhalb der Muskulatur liegt, ist es in der Tat so, dass es nicht sichtbar wird. Das heißt, man bekommt ein besseres Körpergefühl, man bekommt eine bessere muskuläre Spannung. Das heißt, die Haltung wird ein wenig besser. Aber deswegen wird der Taillen-Umfang auf keinen Fall besser oder geringer. Und zwar deswegen nicht, weil letztendlich natürlich höchstens so ein bisschen die positive Einstellung zum Leben etwas anders wird. Man etwas weniger isst, weil die Gesundheit insgesamt mehr Raum gewinnt. Aber allein durch Hula-Hoop wird die Hüfte nicht schwinden.

Froböse: "Motivation ja - abnehmen eher nein"

vereinsleben.de: Fassen wir noch einmal zusammen: Grundsätzlich sind die Challenges nicht schlecht. Denn alles an Bewegung ist natürlich immer gut für den Körper. Aber das, was sie versprechen, ist tatsächlich schwierig. Gibt es denn etwas, das Sie definitiv empfehlen können?

Prof. Dr. Froböse: Sagen wir so: Man sollte sich wirklich kleine, kleine Schritte setzen. Denn man hat ja auch nicht in 30 Tagen zugenommen, sondern letztendlich ja das Leben lang. Und dementsprechend in 30 Tagen etwas zu erreichen, das geht sowieso grundsätzlich schief. Es käme sowieso irgendwann wieder. Deswegen geht es immer nur darum, sein Leben nachhaltig zu verändern. Und deswegen sind die Challenges immerhin Motivation, um in das aktive Leben einzusteigen. Zu erleben, ‚es geht ja noch etwas‘. Und wenn man dann daraus die Motivation schöpft, endlich dabei zu bleiben. Ich glaube, das ist der eigentliche Zweck und der Sinn, der dahinter steckt.

vereinsleben.de: Also, schlank und rank, Sixpack und, und, und in 30 Tagen – das klappt nicht. Wir sollen einfach motiviert werden, uns mehr zu bewegen. Haben Sie noch einen Tipp – gerade in Corona-Zeiten – was die Menschen zuhause machen können um auch da fit zu werden? 

Prof. Dr. Froböse: Jeder hat ja ein Trainingsgerät quasi immer dabei, das ist der eigene Körper. Und Muskeln müssen brennen, damit sie wachsen. Das ist die Botschaft. Und wenn man dann die klassischen, großen Übungen macht, beispielsweise wie Kniebeugen, Liegestütz und einen Crunch, insbesondere für den Sixpack oder den Bauch, dann funktioniert das wunderbar. Ich habe eine sehr schöne Bauch- und Rückenübung. Man setzt sich vorne auf die Stuhlkante, neigt den Oberkörper langsam bis auf den Oberschenkel herunter. Kommt dann langsam wieder hoch, geht zurück bis zur Lehne, und dann merkt man Bauch, Rücken, Bauch, Rücken. Ein wunderbares Training, gerade in diesen Inaktivitäts-Zeiten für die Körpermitte. Und das bereitet so ein wenig auch für den Sommer vor.

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