Diskussionen um erste Trans-Athletin bei Olympia

Gruppierung will Teilnahme per Petition verhindern

Sportnews > Für Zwischendurch Veröffentlicht am Freitag, 09. Juli 2021

Quelle: picture alliance/AP Photo | Mark Schiefelbein

Gewichtheberin Laurel Hubbard wird in Tokio voraussichtlich als erste Trans-Athletin der Geschichte an den Olympischen Spielen teilnehmen. Eine Gruppierung will allerdings verhindern, dass es dazu kommt.

Die Olympischen Spiele in Tokio werden zu einem historischen Ereignis! Nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass die Spiele erstmals in ihrer Geschichte ohne Zuschauer stattfinden werden, könnte es im Verlauf der Wettkämpfe zu einem weiteren geschichtsträchtigen Ereignis kommen. Mit der neuseeländischen Gewichtheberin Laurel Hubbard tritt erstmals eine Transgender-Athletin an.

Die 43-Jährige, die in der Superschwergewichtsklasse antritt, lebte die ersten 35 Jahre als Mann. An einem internationalen Gewichtheber-Wettbewerb hatte sie allerdings nie teilgenommen.

„Ich bin dankbar und demütig ob der Güte und Unterstützung, die mir so viele im Land entgegengebracht haben“, sagte Hubbard nach der Nominierung durch das neuseeländische Olympia-Komitee. Von Verbandsseite heißt es: „Wir haben eine starke Kultur des Respekts und der Inklusion. Wir haben uns verpflichtet, alle teilnahmeberechtigten Athletinnen und Athleten zu unterstützen.“

Kritik an Teilnahme wird lauter

Um Diskriminierung vorzubeugen, stellte das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2015/16 extra Richtlinien für solche Situationen auf. Wie es bei Hubbard der Fall ist, muss der Testosteron-Level über zwölf Monate vor dem Wettkampf unter einem bestimmten Grenzwert liegen.

Doch trotz der Tatsache, dass die Teilnahme der Neuseeländerin regelkonform ist, mehrt sich der Widerstand. Eine Gruppierung die sich „Defend Women’s Sport“ (Verteidigt den Frauen-Sport) nennt, will Hubbards Start per Petition verhindern. Über 35.000 Personen haben sich bereits dafür ausgesprochen, dass das IOC seine Regelungen für Trans-Athleten abschafft. In der Begründung heißt es unter anderem, dass die Testosteron-Regelung „die körperlichen Vorteile, die ein als Mann geborener Athlet in puncto Geschwindigkeit, Größe, Ausdauer und Kraft hat, vollkommen ignoriert.“

Weiter heißt es: „Frauen und Mädchen werden vom IOC als schnelle und einfache Lösung in der Transgender-Diskussion geopfert.“

Auch zahlreiche Konkurrentinnen sprachen sich gegen eine Teilnahme aus. So bezeichnete die belgische Gewichtheberin Anna Vanbellinghen die Nominierung Hubbards als „schlechten Scherz“, wenn gleich sie damit weder Hubbard selbst noch die Transgender-Gemeinschaft kritisieren wolle. Die Situation sei einfach „unfair gegenüber dem Sport und der Athletinnen.“

In die gleich Kerbe schlägt auch die Hubbards Landsfrau und Gewichtheberin Tracey Lambrechs. In einem Interview mit TNVZ sagte sie: „Ich bin sehr enttäuscht. Sehr enttäuscht für alle weiblichen Athletinnen die ihren Platz (wegen Hubbard, d.Red.) verlieren.

Zahlreiche weibliche Gewichtheberinnen seien zu ihr gekommen und hätten sie gefragt ‚Was sollen wir tun? Das ist nicht fair‘. „Leider können wir nicht tun, denn jedes Mal, wenn wir etwas sagen, wird uns gesagt, dass wir leise sein sollen.“

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